Leben mit Tics
Köln – Mindestens eins von zehn Schulkindern leidet unter einer vorübergehenden Tic-Störung. Eine besondere Form, das Tourette-Syndrom, findet man bei circa einem Prozent aller Kinder. Andrea G. Ludolph, Universitätsklinikum Ulm, und Koautoren berichten in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes über Diagnostik und Therapiemöglichkeiten dieser Krankheitsbilder (Dtsch Arztebl Int 2012; 109(48): 821–8).
Der Verlauf der meisten Tic-Störungen ist überwiegend gutartig. In der Adoleszenz gehen bei ungefähr 90 Prozent der Patienten die Tics spontan zurück. Eine spezifische Behandlung ist nur bei stärker aufgeprägten Tics oder erkennbarer psychosozialer Belastung notwendig. Bei 80–90 % der Patienten mit Tourette-Syndrom bestehen allerdings komorbide Störungen wie eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung, Depression, Angst- und Zwangsstörungen. Sie beeinträchtigen die Lebensqualität oft stärker als die Tics, daher ist ihre Behandlung vorrangig.
Tics können weder geheilt noch ursächlich behandelt werden. Ebenso wenig steht eine Therapie zur Verfügung, die alle potenziellen Symptome des Tourette-Syndroms inklusive der Komorbiditäten gleichzeitig erfasst. Mittel der ersten Wahl in der Behandlung von Tics sind atypische Neuroleptika. Vor einer Pharmakotherapie sollte jedoch ein Behandlungsversuch mittels Verhaltenstherapie unternommen werden, die mittlerweile gut evaluiert ist. Die Studienlage zur psychopharmakologischen Therapie des Tourette-Syndroms ist nach wie vor schlecht.
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