Medizin

Leberhormon bremst Appetit auf Alkohol

  • Mittwoch, 30. November 2016

London – Ein „endokrines“ Peptid, das nach einem Alkoholkonsum vermehrt von der Leber freigesetzt wird, könnte nach einer Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (2016; doi: 10.1073/pnas.1611243113) im Gehirn den Appetit auf weitere Getränke bremsen.

Frühere Studien hatten gezeigt, dass der Alkoholkonsum genetischen Einflüssen unter­liegt. Um die verantwortlichen Gene zu finden, führten Gunter Schumann vom King's College London und Mitarbeiter eine genom-weite Assoziationsstudie (GWAS) durch. Dazu setzten sie die Trinkgewohnheiten von 105.000 Menschen europäischer Herkunft mit den Erbinformationen in Verbindung. Sie stießen auf einen Einzelnukleotid-Polymor­phismus im Gen beta-Klotho. Etwa 40 Prozent der Bevölkerung hat hier eine Gen­variante, die mit einen verminderten Alkoholkonsum verbunden ist.

Das Gen beta-Klotho enthält die Information für einen Rezeptor, der unter anderem im Gehirn vorkommt. Sein Ligand ist der Fibroblasten-Wachstumsfaktor FGF21, der von Leberzellen gebildet wird. Die Forscher vermuten, dass FGF21 ein Hormon ist, mit dem die Leber das Gehirn auf eine eventuelle Organschädigung durch den Alkoholkonsum aufmerksam macht.

Um den Zusammenhang zu klären, haben Forscher des UT Southwestern Medical Center in Dallas das Gen von beta-Klotho aus dem Erbgut von Mäusen entfernt. Die Folge war ein gesteigertes Interesse der Tiere am Alkoholkonsum. Die Tiere bevor­zugten den Alkohol gegenüber Wasser auch dann, wenn sie mit FGF21 behandelt wurden. Bei Mäusen mit intaktem beta-Klotho-Gen hat FGF21 dagegen eine hemmende Wirkung auf den Alkoholkonsum. 

Die Studie könnte für die Humanmedizin von Bedeutung sein. Zum einen könnte ein Gentest auf beta-Klotho zeigen, welche Menschen durch ihre Gene vor einem bedenk­lichen Alkoholkonsum geschützt werden. Zum anderen könnten Behandlung gefunden werden, die Menschen mit einem problematischen Alkoholkonsum bei einem Abstinenz­versuch unterstützen.

rme

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