Leitlinie rettet Leben
Berlin – Die S3-Leitlinie „Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung“ der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) hat dazu beigetragen, die Mortalität von Schwerverletzen deutlich zu senken. Das berichtet die Fachgesellschaft nach einer Auswertung der Daten von über tausend Polytrauma-Patienten, die von 2002 bis 2011 im Uniklinikum Essen versorgt wurden.
Bemerkenswert sind dabei laut der Fachgesellschaft vor allem zwei Ergebnisse: Nach Einführung der S3-Leitlinie im Jahr 2011 sank die Sterberate der Patienten, die das Krankenhaus lebend erreichten, nahezu um die Hälfte. „In der Leitlinie finden sich Empfehlungen, die von der Zusammensetzung der Schockraumteams über die Größe und Lage der Räume bis zu detaillierten Hinweisen für die Untersuchung und Behandlung der Patienten reichen“, erklärt Reinhard Hoffmann, Generalsekretär der DGU, den Zusammenhang.
Computertomografische Ganzkörperuntersuchungen verringern Sterberate
Außerdem zeigt die Studie einen Zusammenhang zwischen der Zunahme computertomografischer Ganzkörperuntersuchungen und der Abnahme der Sterberate. Die schwerverletzten Patienten werden zunächst im Schock- oder Reanimationsraum versorgt. Das Personal besteht aus einem Team aus Ärzten verschiedener Fachrichtungen und Pflegern.
Typische Schockraum-Patienten sind Opfer von Verkehrsunfällen, die Verletzungen an mehreren Körperteilen erlitten haben. Zirka 35.000 Patienten mit solch einem Polytrauma werden pro Jahr in die Schockräume deutscher Krankenhäuser eingeliefert. „Dann zählt jede Minute und jeder Handgriff muss sitzen“, betont Bertil Bouillon, Präsident der DGU. „Der Schockraum muss ein gut organisierter Ort professioneller Teamarbeit sein“, ist sich der Direktor der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Sporttraumatologie der Kliniken der Stadt Köln sicher. Die Leitlinie habe dazu beigetragen, die Abläufe zu standardisieren.
Interdisziplinäre Teams geplant
„Um die Versorgung von Polytrauma-Patienten in Deutschland weiter zu verbessern, sollten diese erfolgreichen Prozesse weiter standardisiert und in interdisziplinären Teams organisiert werden“, fordert Hoffmann von der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Frankfurt/Main. Dafür sollten die Schockraum-Teams sich in speziellen Kursen schulen lassen. Wichtig seien außerdem regelmäßige kritische Analysen des eigenen Handelns. Bei dieser Selbstanalyse helfe unter anderem das „Traumaregister DGU“, eine zentrale Datenbank, in die Kliniken ihre Abläufe dokumentieren und mit denen anderer Kliniken vergleichen könnten.
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