Vermischtes

Linde will für 3,7 Milliarden Euro US-Gesundheits­konzern kaufen

  • Montag, 2. Juli 2012
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München – Der DAX-Konzern Linde plant die teuerste Übernahme seit sechs Jahren. Für 4,6 Milliarden Dollar (3,7 Milliarden Euro) will Linde das US-Unternehmen Lincare kaufen und damit im Gesundheitsmarkt expandieren, wie Linde heute in München mitteilte. Den Lincare-Aktionären werden 41,50 Dollar (33 Euro) pro Aktie in bar geboten. Ziel sei es, alle verfügbaren Anteilsscheine zu erwerben. Der Lincare-Vorstand habe sich einstimmig für die Übernahme ausgesprochen, teilte Linde weiter mit.

2006 hatte Linde den britischen Gasanbieter BOC für mehr als 12 Milliarden Euro übernommen und war damit die weltweite Nummer eins unter den Gasherstellern geworden.

Um die Lincare-Übernahme zu finanzieren, muss sich Linde massiv verschulden. So nehme das Unternehmen einen Akquisitionskredit in Höhe von 4,5 Milliarden Dollar auf. Dieses bereits bestätigte Darlehen werde durch Eigenkapitalmaßnahmen bis zu einer Höhe von 1,5 Milliarden Euro und durch Fremdkapitalmaßnahmen refinanziert. Linde wolle das derzeitige Rating (A/A3) behalten.

Die Linde-Aktie verlor heute deutlich an Wert. Bis 11 Uhr gab sie um rund drei Prozent auf 118,75 Euro nach. Bereits am Freitag hatte die Aktie an Wert verloren, nachdem erste Gerüchte über das Milliardengeschäft aufgekommen waren. Analysten hatten den hohen Kaufpreis kritisiert.

Der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Reitzle sagte, mit der Übernahme von Lincare werde Linde „einen nächsten großen Schritt auf einem stabilen, zukunftsträchtigen und profitablen Geschäftsfeld machen“. Der Gesundheitsmarkt sei ein „globaler Megatrend, an dem wir in der neuen Aufstellung noch stärker partizipieren werden“. Gemeinsam mit Lincare werde Linde der weltweit führende Gesundheitsvorsorge-Anbieter der Gasindustrie.

Lincare bietet Beatmungstherapien
Lincare ist Anfang des 20. Jahrhunderts aus dem Amerika-Geschäft von Linde hervorgegangen und hieß ursprünglich Linde Homecare Medical Systems. Als Union Carbide im Jahr 1917 Lindes US-Aktivitäten übernahm, wurde Linde Homecare Medical Systems zu einer Tochtergesellschaft des US-Konzerns. Das Unternehmen ist die weltweite Nummer eins bei der außerklinischen Behandlung (Homecare) von Atemwegserkrankungen. Es bietet Beatmungstherapien wie die Sauerstofftherapie, die Schlaftherapie oder die Inhalationstherapie an.

Lincare erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit rund 11.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro und ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 363 Millionen Euro. Linde setzte 2011 im Homecare-Geschäft 300 Millionen Euro um.

Die Übernahme soll bereits im dritten Quartal dieses Jahres abgeschlossen sein, benötigt aber noch die Zustimmung der zuständigen Behörden.

hil

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