Liraglutid: Tägliche Spritze hilft beim Abnehmen

New York – Das Diabetesmedikament Liraglutid, das demnächst auch in Deutschland als „Diätspritze“ auf dem Markt kommt, hat in einer für die Zulassung maßgeblichen Studie im New England Journal of Medicine (2015; 373: 11-22) das Körpergewicht teilweise deutlich gesenkt. Häufige Nebenwirkungen und der Umstand, dass das Mittel subkutan injiziert werden muss, dürften die Attraktivität des Abmagerungsmittels jedoch herabsetzen.
Liraglutid imitiert die Wirkung des Darmhormons GLP 1 (Glucagon-like Peptid 1), das den Beta-Zellen das baldige Eintreffen von Glukose signalisiert und zur vermehrten Insulinproduktion anregt. Schon in den Studien, die 2009 zur Zulassung von Victoza zur Behandlung des Typ 2-Diabetes durchgeführt wurden, war aufgefallen, dass die meisten Patienten unter der Therapie mehrere Kilogramm an Gewicht verloren. Der Effekt kommt durch eine frühzeitige Sättigung zustande, die über GLP-1-Rezeptoren im Gehirn vermittelt werden soll.
Mit dem Präparat Saxenda wird dieser Nebeneffekt zur Indikation erklärt. Um den Effekt zu verstärken, wurde die Dosis von maximal 1,8 mg in der Diabetes-Therapie auf 3,0 mg gesteigert. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse der SCALE-Studie zeigen, dass die täglichen subkutanen Injektionen zu einer deutlichen Gewichtsabnahme führen. Die 2.487 Teilnehmer, die vor Beginn der Studie im Durchschnitt 106 Kilogramm wogen, nahmen während der 56 wöchigen Studie im Mittel 8,4 kg ab gegenüber 2,8 kg im Placebo-Arm, wo die Patienten die gleichen Empfehlungen zur Änderung ihres Lebensstils erhalten hatten wie im Liraglutid-Arm der Studie.
Im Liraglutid-Arm verloren zwei Drittel der Teilnehmer mehr als 5 Prozent ihres Gewichts, bei einem Drittel betrug der Rückgang sogar mehr als 10 Prozent. Liraglutid erfüllte damit die Kriterien der US-Arzneibehörde FDA, die als Minimum eine Reduktion des Körpergewichts um 5 Prozent fordert. Der US-Zulassung vom Dezember letzten Jahres folgt eine Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-Agentur, der die Europäische Kommission inzwischen zugestimmt hat.
Die jetzt von Xavier Pi-Sunyer, Columbia University New York, und Mitarbeitern vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass die täglichen Injektionen von Liraglutid über die Gewichtsabnahme hinaus einen medizinischen Nutzen haben. Die Zahl der Patienten mit einem Prä-Diabetes wurde um zwei Drittel gesenkt und im Vergleich zum Placebo-Arm kam es deutlich seltener zu Neuerkrankungen an Prä-Diabetes oder Diabetes. Auch die Lipidwerte besserten sich und in einem Fragebogen zur Lebensqualität waren die Patienten deutlich zufriedener als im Placebo-Arm.
Nicht nur aufgrund der subkutanen Applikation bleibt Liraglutid ein Arzneimittel. Auch die von der Diabetes-Therapie bekannten Nebenwirkungen blieben nicht aus. Am häufigsten waren Nausea (40 Prozent), Diarrhöe (21 Prozent) und Obstipation (20 Prozent) sowie Erbrechen (16,3 Prozent). Insgesamt 6,4 Prozent der Patienten brachen die Therapie vorzeitig ab (gegenüber 0,7 Prozent im Placebo-Arm).
2,5 Prozent der Patienten (versus 1,0 Prozent unter Placebo) zeigten Gallenblasenbeschwerden, häufig ausgelöst durch Gallensteine. Zehn Patienten (versus einem im Placebo-Arm) erlitten eine Pankreatitis, die bei fünf Patienten auf Gallensteine zurückgeführt werden konnten. C-Zell-Tumore der Schilddrüse, auf die aufgrund von tierexperimentellen Studien hingewiesen wird (im US-Label in einem umrahmten Warnhinweis), sind in der Studie nicht aufgetreten.
Den Anstieg der Brustkrebsdiagnosen (4 versus 1 Fall) führt Pi-Sunyer (nach Ansicht der Editorialisten plausibel) auf die verbesserte Früherkennung nach einer Gewichtsreduktion zurück. Die Nebenwirkungen und die daraus resultierenden Vorsichtsmaßnahmen machen Saxenda zu einem Anorektikum, das am besten unter ärztlicher Kontrolle eingesetzt wird.
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