Lokale Gesundheitszentren in Hamburg bewähren sich: Sozialbehörde erhöht Förderung

Hamburg – Die Menschen in Hamburg nehmen die sechs Lokalen Gesundheitszentren (LGZ) in der Stadt als wichtigen Baustein der Gesundheitsversorgung wahr. Das zeigt eine jetzt erschienene Evaluation des Angebots. Die Hamburger Sozialbehörde will daher die Förderung der LGZ bis Ende 2030 sichern und erhöht die jährliche Fördersumme auf 200.000 Euro je Standort.
„Eine gute Gesundheitsversorgung muss Menschen in allen Lebenslagen erreichen – unabhängig von sozialer Herkunft, Wohnort oder Sprache. Genau hier setzen die Lokalen Gesundheitszentren an: Sie helfen dabei, die richtige Unterstützung zu finden und schaffen Vertrauen“, sagte Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer (SPD). Zugleich trügen die Zentren dazu bei, Hausarztpraxen und andere Akteure im Versorgungssystem zu entlasten, betonte sie.
Seit 2020 fördert die Sozialbehörde die LGZ in sozioökonomisch benachteiligten Stadtteilen. Im Mittelpunkt der LGZ-Arbeit steht eine enge Kooperation zwischen mindestens einer hausärztlichen Praxis, einer Community Health Nurse – also einer akademisch qualifizierten Pflegefachperson – sowie Angeboten der sozialen und psychosozialen Beratung. Zusätzlich bestehen Kooperationen mit Pflegediensten und weiteren gesundheitlichen und sozialen Angeboten wie der Suchtberatung und der Migrationsarbeit.
Die Evaluation durch das inav – Institut für angewandte Versorgungsforschung in Berlin und das Aqua-Institut in Göttingen bescheinigt den Zentren eine hohe Reichweite und Akzeptanz. Innerhalb eines Beobachtungszeitraums von rund einem Jahr wurden 7.755 Beratungen für etwa 2.700 Menschen dokumentiert. Hinzu kamen 2.463 Vermittlungen und 1.538 Zuweisungen an andere Angebote.
Nach Einschätzung der Arbeitsgruppe übernehmen die LGZ damit vor allem eine Lotsen- und Brückenfunktion zwischen medizinischer und sozialer Versorgung. Hausärztinnen und Hausärzte berichteten zudem von einer Entlastung durch die Beratungsangebote.
Bei den Nutzerinnen und Nutzern stoßen die Zentren laut der Evaluation auf große Zustimmung: 96,8 Prozent der Befragten gaben an, sich mit ihrem Anliegen in der Beratung verstanden zu fühlen. 98 Prozent würden das jeweilige LGZ weiterempfehlen. Als Stärke wertet die Evaluation insbesondere die Kombination aus offenen Sprechstunden und Terminangeboten.
Die Bandbreite der Anliegen reicht dabei weit über medizinische Fragen hinaus. Von insgesamt 10.791 dokumentierten Anliegen entfielen 40,4 Prozent auf medizinische Themen aus dem Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung. 59,6 Prozent betrafen dagegen andere Bereiche – etwa Wohnen, Finanzen, Pflege oder sprachlich bedingte Probleme. Gerade diese Verbindung gesundheitlicher und sozialer Fragestellungen wertet die Evaluation als wesentlichen Bestandteil des LGZ-Konzepts.
Grenzen zeigten sich unter anderem bei komplexen Sprachbarrieren und schweren psychosozialen Problemlagen. Professionelle Sprachmittlung sei bislang nicht überall dauerhaft finanziert, auch für spezialisierte psychosoziale Beratung reichten die Kapazitäten teilweise nicht aus.
Für die weitere Entwicklung empfiehlt die Arbeitsgruppe deshalb unter anderem eine noch stärkere Verzahnung mit der medizinischen Primärversorgung, eine strukturell abgesicherte professionelle Sprachmittlung und einheitliche digitale Dokumentationssysteme. Medizinische Versorgung, Pflege und Sozialarbeit sollten möglichst räumlich gebündelt und durch regelmäßige Fallbesprechungen miteinander verknüpft werden.
Die Evaluation macht zugleich deutlich, dass die Zentren nicht alle Versorgungsprobleme in den Quartieren auffangen können. Fachkräftemangel und fehlende medizinische oder soziale Angebote begrenzten ihre Möglichkeiten. Zudem fehlten bislang gesetzliche Vorgaben zu Rolle und Befugnissen von Community Health Nurses. Der Bosch Health Campus als Kooperationspartner der Hamburger Sozialbehörde hat die Evaluation beauftragt und finanziert.
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