Medizin

Mambalgin: Schlangengift könnte Schmerzen lindern

  • Donnerstag, 4. Oktober 2012
Uploaded: 04.10.2012 17:13:56 by mis
Der Biss kann tödlich sein: Eine Schwarze Mamba dpa

Valbonne – Französische Pharmakologen sind auf der Suche nach einer Alternative zu Opiaten auf das Gift der Schwarzen Mamba gestoßen. Es enthält zwei Peptide, die laut einer Studie in Nature (2012; doi: 10.1038/nature11494) eine analgetische Wirkung mit geringer Neigung zur Toleranz hat. Anders als bei den Opiaten kommt es offenbar nicht zur Atemdepression.

Das Gift einer Schwarzen Mamba (Dendroaspis polylepis) kann einen Menschen innerhalb kurzer Zeit töten. Die größte, schnellste und gefährlichste Giftschlange Afrikas injiziert bei ihren Bissattacken einen Cocktail von Giftstoffen, der Muskeln lähmt und innerhalb von 20 Minuten zum Herz- und Atemstillstand führen kann. Der Tod wird als schmerzhaft beschrieben, doch das Gift der Schwarzen Mamba enthält auch Peptide, die sogenannte ASIC „acid-sensing ion channels“ blockieren.

Sie befinden sich auf der Membran von nociceptiven Schmerzfasern, wo sie eine zentrale Rolle in der Schmerzentstehung spielen, sie könnten aber auch bei der zentralnervösen Schmerzverarbeitung eine Rolle spielen. ASIC-Blocker gelten deshalb als potenzielles Schmerzmittel, weshalb Sylvie Diochot vom Institut de Pharmacologie Moléculaire et Cellulaire in Valbonne und Mitarbeitern gezielt in der Natur nach derartigen Substanzen suchen.

Im Gift von Dendroaspis polylepis fand das Team gleich zwei Kurzpeptide mit den gewünschten Eigenschaften. Diese „Mambalgine“ wirkten sowohl im Gehirn (nach intrathekaler Injektion) als auch im peripheren Nervensystem (nach intraplantare Injektion) analgetisch. Auch neuropathische Schmerzen sollen auf Mambalgine ansprechen.

Die Wirkung konnte nicht durch Naloxon aufgehoben werden. Es gibt offensichtlich keine Querverbindung zu Opiatrezeptoren. Wie die Forscherin berichtet, kommt es zwar nach längerer Gabe zu einer gewissen Abschwächung der Wirkung. Die Toleranz sei aber geringer als bei Opiaten. Anders als diese lösen Mambalgine keine Atemdepression aus. An Menschen haben Diochot und Mitarbeiter die Mambalgine bisher nicht getestet. Zunächst dürften weiter tierexperimentelle Studien zur Sicherheit notwendig sein.

Mambalgine wären übrigens nicht das erste Schmerzmittel, das aus einem Gift hergestellt wird. Auch das 2006 in Deutschland zugelassene Analgetikum Prialt ist einem natürlichen Toxin entlehnt. Sein Wirkstoff Ziconotid ist ein synthetisches Analogon von Omega-Conotoxin. Mit diesem Gift setzt sich die marine Kegelschnecke Conus magus gegen Fraßfeinde zur Wehr.

rme

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