Mehr Prävention: Krebshilfe geht von 60 Prozent vermeidbarer Krebstodesfälle aus

Bonn – Ein bessere Prävention könnte aus Sicht der Deutschen Krebshilfe in Deutschland rund 60 Prozent aller Krebstodesfälle vermeiden. Deutschland sei diesbezüglich ein Schlusslicht in der Europäischen Union (EU), erklärte die Präsidentin der Krebshilfe, Rita Schmutzler, heute bei der Jahrespressekonferenz des Verbandes.
Es gebe großen politischen Handlungsbedarf, etwa im Umgang mit Alkohol und Ernährung. Parallel müsse es mehr verständliche Informationen über Präventions- und Früherkennungsangebote geben, forderte sie.
Laut der Krebshilfe hat es im vergangenen Jahr rund 520.000 Neuerkrankungen gegeben. Aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung sei die Zahl weiterhin steigend, sagte die Präsidentin. Zugleich habe die Sterberate aufgrund großer Fortschritte in der Krebsmedizin in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Die Überlebensrate habe früher bei einem Drittel gelegen, heute bei zwei Dritteln.
Deutschland hat nach Angaben der Krebshilfe bei der Behandlung hohe Standards, doch nicht allen Erkrankten kämen diese zugute. Noch immer würden Betroffene in Kliniken behandelt, die nicht ausreichend zertifiziert seien, erklärte Gerd Nettekoven aus dem Vorstand der Organisation.
Krebs sei eine komplexe Krankheit, die eine Behandlung in spezialisierten Zentren mit interdisziplinären Teams erfordere. Alle Patienten müssten Zugang zu einer solchen modernen onkologischen Versorgung haben, forderte er. „Ein zentraler Fortschrittsmotor für die Krebsmedizin in Deutschland sind die von uns initiierten und geförderten Comprehensive Cancer Center“, so Nettekoven.
Dort erhielten Krebspatientinnen und -patienten eine Versorgung auf höchstem Niveau und nach aktuellen Qualitätsstandards. In diesen Zentren stehe auch die Weiterentwicklung von innovativen Diagnose- und Behandlungsmethoden im Mittelpunkt.
Insgesamt hat die Deutsche Krebshilfe im vergangenen Jahr 171 Millionen Euro eingenommen. Sie ist nach eigenen Angaben der größte private Drittmittelgeber in der Onkologie in Deutschland. 2025 stellte sie 46,8 Millionen Euro für neue Forschungsprojekte und -programme bereit. Mit fast 53 Millionen Euro förderte die Organisation klinische und wissenschaftliche Strukturmaßnahmen.
14 Millionen Euro investierte sie in Projekte und Initiativen zur Krebsprävention und -früherkennung. Überdies flossen acht Millionen Euro in die Patienteninformation und Aufklärungsarbeit und 4,4 Millionen Euro in den Härtefonds, der finanzielle Hilfe für Krebspatienten bietet.
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