Menschen leben länger und in besserer Gesundheit

Seattle - Die Lebenserwartung der Menschen ist seit 1990 um mehr als sechs Jahre gestiegen, gleichzeitig ist der Anteil der durch Krankheit oder Tod verlorenen Jahre (DALY) gesunken. Dies geht aus einer Analyse der „Global Burden of Disease“-Studie im Lancet (2015; doi: 10.1016/S0140-6736(15)61340-X) hervor. Die Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen reicheren und ärmerem Ländern haben sich leicht vergrößert.
Das im wesentlichen von der Gates Stiftung finanzierte Institute for Health Metrics and Evaluation in Seattle hat Daten zu Krankheiten und Lebenserwartung aus 188 Ländern zusammengetragen. Das Team um Christopher Murray sieht die Entwicklung der Weltbevölkerung insgesamt positiv. Dank der Fortschritte im Kampf gegen HIV/AIDS, Malaria und andere ansteckende Erkrankungen, die Neugeborenen- und Müttersterblichkeit und Ernährungsstörungen sei die weltweite Lebenserwartung innerhalb von 23 Jahren um 6,2 Jahre (von 65,3 in 1990 auf 71,5 in 2013) gestiegen. Der Zuwachs entfiel vor allem auf die gesunde Lebenserwartung (healthy life expectancy, HALE), die um 5,4 Jahre zunahm (von 56,9 Jahre in 1990 auf 62,3 Jahre im Jahr 2013).
Lebenserwartung: Teilweise mehr als 30 Jahre Unterschied
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern sind beträchtlich. So lebten die Menschen 1990 in Andorra im Durchschnitt 33,8 Jahre länger als in der Zentralafrikanischen Republik (78,7 Jahre versus 46,9 Jahre). Bei den HALE waren es 29,8 Jahre (70,2 Jahr in Japan versus 40,4 Jahre in der Zentralafrikanischen Republik). Im Jahr 2013 reichte die Spanne der durchschnittlichen Lebenserwartung von 48,3 Jahre in Lesotho bis 83,9 Jahre in Andorra, eine Differenz von 35,6 Jahren. Bei den HALE waren es 42,0 Jahre in Lesotho und 73,4 Jahre in Japan, Differenz: 31,4 Jahre. Die Unterschiede zwischen den armen und reichen Ländern haben sich demnach etwas vergrößert. Deutschland gehört mit einer Lebenserwartung von 80,7 Jahren in 2013 und einer HALE von 68,8 Jahren übrigens nicht zu den „Top Ten“ in puncto Langlebigkeit.
Die Lebenserwartung ist stark von Kriegen und Krisen abhängig: In Syrien hat der Bürgerkrieg den Gewinn an Lebenserwartung, der nach 1990 erzielt wurde, in wenigen Jahren umgekehrt (wobei die Zahlen von 2013 das ganze Ausmaß noch nicht ermessen können). Aber auch in Südafrika, Paraguay und Weißrussland sterben die Menschen früher als in 1990. Einbußen von mehr als zehn Jahren gab es bei der HALE in Lesotho und Swasiland. Menschen in Nicaragua, Kambodscha und Äthiopien verzeichneten dagegen einen dramatischen Anstieg der HALE um 14,7 Jahre, 13,9 Jahre und 13,5 Jahre. Diese Länder haben sich von den Folgen eines Bürgerkriegs erholt.
Der Gesundheitszustand der Weltbevölkerung hat sich in dem 23-jährigen Untersuchungszeitraum verbessert. Die DALY ging insgesamt um 3,6 Prozent und altersstandardisiert sogar um 26,7 Prozent zurück. Dies ist vor allem auf einen Rückgang der Infektionserkrankungen (Ausnahme für die Zeit bis 2005: HIV/AIDS), der Neugeborenen- und Müttersterblichkeit sowie der Ernährungsstörungen zurückzuführen. Nach Berechnungen von Murray nahm die DALY global gesehen von 1,19 Milliarden in 1990 auf 0,77 im Jahr 2013 ab.
Wohlstandsgefälle sorgt für große Unterschiede
Die durch nicht-übertragbare Gesundheitsstörungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs verloren gegangenen DALY sind im gleichen Zeitraum von 1,06 auf 1,43 Milliarden angestiegen. In der Zeit nach 2005 kam es auch zu einem Anstieg des Dengue-Fiebers und der durch Lebensmittel übertragbaren Trematoden und Leishmaniosen. Die fünf führenden Ursachen für DALY waren 2013 ischämische Herzerkrankungen, Infektionen der unteren Atemwege, zerebrovaskuläre Erkrankungen sowie Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule (in Deutschland auf Platz 1 der DALY).
Der Hauptgrund für die Unterschiede in der Lebenserwartung ist das Wohlstandsgefälle. Der soziodemographische Status erklärt laut Murray bei Durchfallerkrankungen, Infektionen, Geburtskomplikationen für Mutter und Kind und Ernährungskrankheiten mehr als die Hälfte der Unterschiede. Der Einfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischen Atemwegserkrankungen, Leberzirrhose, Diabetes, Harnwegserkrankungen, Bluterkrankungen, endokrinen Störungen, Unfälle und Gewalttaten war dagegen mit weniger als 10 Prozent weitaus geringer.
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