Medizin

Menschliche Haut aus Stammzellen könnte Tierversuche ersetzen

  • Freitag, 25. April 2014
Uploaded: 25.04.2014 12:31:42 by mis
Dreidimensionale menschliche Epidermisäquivalente aus iPS-Zellen geformt

London – Britische und US-amerikanische Forscher haben induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) in Keratinozyten differenziert und zu dreidimensionalen menschlichen Epidermisäquivalenten geformt, die im Labor die Barriereeigenschaften der mensch­lichen Haut aufwiesen und sich deshalb zur Testung von Kosmetika anstelle von Tierversuchen eignen würden. Ein anderes Anwendungsgebiet wäre nach der Publikation in Stem Cells Reports (2014; doi: org/10.1016/j.stemcr.2014.03.009) die Erforschung von Hautkrankheiten.

Keratinozyten lassen sich bereits seit längerer Zeit im Labor vermehren, als Zell­suspensionen werden sie zur Behandlung von Brandwunden eingesetzt. Auch epider­male Transplantate aus kultivierten Epithelien werden bereits angeboten. Dem Team um Dusko Ilic vom King’s College London ist es jedoch als erstem gelungen, die Tans­plantatate aus iPS-Zellen zu bilden und diese bereits im Labor zu Strukturen zu formen, die der menschlichen Haut sehr nahe kommen. Laut Ilic ähneln sie sowohl im Aufbau als auch von der Funktion her der menschlichen Epidermis. Wie diese weisen sie eine Barrierefunktion auf, die beim Menschen das Eindringen schädlicher Substanzen verhindert.

Die menschlichen Epidermisäquivalente könnten kostengünstig produziert werden und stünden im Prinzip in unbegrenzter Menge zur Verfügung, behauptet der Forscher. Als mögliches Einsatzgebiet sieht er die kosmetische Forschung. Die Industrie könnte in Zukunft Kosmetika ohne Tierversuche testen und damit ein Verbot der EU umgehen, die seit März 2013 den Import und Verkauf von Kosmetika verbietet, deren Bestandteile an Tieren erprobt wurden. Ilic kann hier auf die Unterstützung von Tierschutzorganisationen hoffen.

Die Humane Society International hat nach einem Bericht der BBC die neuen For­schungsergebnisse bereits begrüßt. Ein weiteres Anwendungsgebiet wäre die Erforschung von Hautkrankheiten. Das Spektrum reicht von der atopischen Dermatitis bis zur Ichthyosis, deren gemeinsames Kennzeichen eine Barrierestörung der Haut ist.

rme

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