Medizin

Menstruationszyklus beeinflusst Therapie bei Frauen mit Typ-1-Diabetes

  • Dienstag, 3. November 2026
Ärztin erklärt einer Patientin den Menstruationszyklus. /Photographee.eu, AdobeStock.com
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Dresden – Viele Frauen mit Typ-1-Diabetes haben zyklusbedingt spezielle Anforderungen an ihre Insulin-Therapie, die bislang aber kaum von Leitlinien und von Systemen zur automatischen Insulin-Dosierung (AID) berücksichtigt werden.

Darauf machte Martina Rothenbühler, Scientific Program Manager am Diabetes Center Berne, auf einer Pressekonferenz im Vorfeld der Diabetes-Herbsttagung aufmerksam. Der Kongress der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) findet am 13. und 14. November in Dresden statt.

Studien zeigten, dass bei Frauen in der frühen Follikelphase die Insulinsensitivität häufig steigt. Für Frauen mit Typ-1-Diabetes bedeutet das, dass sie sich in dieser Phase unter Umständen weniger Insulin verabreichen müssen.

Rothenbühler und ihr Team hat dieses Phänomen in einer Beobachtungsstudie untersucht, die in der Septemberausgabe von Diabetes Care veröffentlicht wurde (2026; DOI: 10.2337/dc26-0692). Sie konnten zeigen, dass die Schwankungen entlang des Menstruationszyklus auch unter Verwendung moderner AID-Systeme messbar sind.

Die Forschenden werteten Daten zu 380 Menstruationszyklen von 77 Frauen aus, die AID-Systeme nutzten. Dabei fiel ihnen auf, „dass Insulinbedarf, Kohlenhydrataufnahme und Blutzuckerwerte über die verschiedenen Phasen des Zyklus hinweg systematische Schwankungen aufwiesen“, schreiben sie.

So gab es im Durchschnitt eine erhöhte Insulinsensitivität zu Beginn des Zyklus in der frühen Follikelphase. Die tägliche Insulindosis und die Kohlenhydrataufnahme erreichten die höchsten Werte in der Mitte der Lutealphase. In dieser Phase war die Insulinsensitivität am niedrigsten, es wurden auch höhere mittlere Glukosekonzentrationen erreicht, gleichzeitig war die Zeit im Zielbereich (TIR) und im engeren Zielbereich (TITR) verkürzt.

„Diese Muster deuten darauf hin, dass eine erhöhte Kohlenhydrataufnahme während der Lutealphase mit einem kompensatorischen Anstieg der Insulindosis einhergeht. Das war aber offenbar nicht ausreichend, was sich dann in höheren Blutzuckerwerten sowie reduzierten TIR- und TITR-Werten widerspiegelt“, heißt es in der Studie.

Dabei wiesen rund 85 % der teilnehmenden Frauen ein Muster auf, das auch bei Frauen ohne Typ-1-Diabetes auftritt. Es gab aber auch erhebliche Abweichungen. Die Forschenden kommen zu dem Schluss, „dass die geschlechtsspezifische Physiologie ein wichtiger Faktor bei der Blutzuckerregulation ist, der in den aktuellen Leitlinien und bei AID-Systemen bislang nicht berücksichtigt wird“.

Zwar passten sich AID-Systeme dynamisch an kurzfristige Blutzuckerschwankungen an, doch berücksichtigten sie wiederkehrende Veränderungen wie etwa durch den Menstruationszyklus nur unzureichend. Deshalb könnten bei betroffenen Frauen trotz einer ansonsten optimierten Therapie wiederholt Blutzuckerprobleme auftreten. Algorithmen müssten aus den zyklischen Veränderungen lernen können, bislang stützen sie sich meist auf Daten der vorangegangenen Tage.

Rothenbühler erinnerte bei der DDG-PK daran, dass das untersuche Phänomen zu Hyperglykämien vor der Menstruation und zu Hypoglykämierisiko am Zyklusanfang führen kann. Ein Teil der in der Studie berücksichtigten Frauen passte ihre Insulinzufuhr deshalb regelmäßig an, sagte die Forscherin. Sie änderten etwa die Einstellungen im AID-System oder gäben den Verzehr von Kohlenhydraten ein, die sie gar nicht zu sich genommen hätten. Das habe zwar höhere TiR-Werte zur Folge. Das Vorgehen sei aber für viele Frauen stressig und anstrengend, so Rothenbühler.

Zwar könnten AID-Systeme Schwankungen abfedern, aber immer nur reaktiv. „Bislang berücksichtigt kein zugelassenes System den Menstruationszyklus ausdrücklich bei der Steuerung der Insulinabgabe“, erklärte Rothenbühler. Sie und weitere Forschende haben bereits eine Anschlussuntersuchung gestartet.

Die TIMES-Studie schließt 350 Frauen mit Typ-1-Diabetes ein, die ein AID-System verwenden. Dabei sollen die Zyklus-Phasen durch Ovulationstests genauer bestimmt und zusätzliche Kontextinformationen erfragt werden.

fri

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