Metastasiertes Kolorektalkarzinom: Hinweis auf beträchtlichen Zusatznutzen für Encorafenib

Köln – Menschen mit metastasiertem Kolorektalkarzinom könnten von einer Behandlung mit dem Wirkstoff Encorafenib in Kombination mit den Wirkstoffen Cetuximab und einer Chemotherapie (FOLFOX) profitieren. Das berichtet eine Arbeitsgruppe des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in einer frühen Nutzenbewertung.
Encorafenib ist ein RAF-Kinase-Inhibitor, der zur Behandlung mehrerer Krebsarten mit einer bestimmten Mutation eingesetzt wird. Die vorliegende Dossierbewertung bezieht sich ausschließlich auf folgendes Anwendungsgebiet: Encorafenib in Kombination mit Cetuximab und Folinsäure + 5-Fluorouracil + Oxaliplatin (FOLFOX) zur Erstlinienbehandlung Erwachsener mit metastasiertem Kolorektalkarzinom mit einer Rapidly-accelerated-Fibrosarcoma-Isoform-B (BRAF)-V600E-Mutation.
Relevant für die IQWiG-Bewertung war eine Multikomparator-Studie namens „BREAKWATER“. Dabei bedeutet ein Multikomparator-Design, dass für die Patientinnen und Patienten in der Vergleichsgruppe, die den bisherigen Therapiestandard erhält, mehrere Optionen zur Verfügung standen und damit eine individuelle Auswahl möglich war. In der Studie waren es sechs verschiedene unterschiedlich intensive Chemotherapieregime, die auch alle eingesetzt wurden.
Vor der Randomisierung wurde durch die Prüfärztin beziehungsweise den Prüfarzt festgelegt, welches Chemotherapieregime der jeweilige Patient im Fall der Zuteilung zum Vergleichsarm erhalten sollte.
„Wir stehen bei unseren Bewertungen oft vor dem Problem, dass uns die Hersteller keine geeigneten Daten liefern, wenn die Vergleichstherapie eine individualisierte Auswahl aus mehreren Optionen erfordert. Mit der BREAKWATER-Studie hat der Hersteller jedoch gezeigt, dass es sehr wohl möglich ist, die Therapie im Vergleichsarm zu individualisieren“, lobte Katrin Nink, Bereichsleiterin Onkologie im IQWiG-Ressort Arzneimittelbewertung, das Vorgehen.
Für den Endpunkt Gesamtüberleben zeigt sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Studienarmen zum Vorteil von Encorafenib in Kombination mit Cetuximab und mFOLFOX6.
„Zusammenfassend ergibt sich in der Abwägung der positiven und negativen Effekte für erwachsene Patientinnen und Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom mit BRAF-V600E-Mutation in der Erstlinienbehandlung ein Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen von Encorafenib in Kombination mit Cetuximab und mFOLFOX6 gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie“, zog die IQWiG-Arbeitsgruppe ein Gesamtfazit.
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