Medizin

Militärmedizin: Häufige Schädel-Hirn-Trau­mata erhöhen Tau-Proteine im Blut

  • Montag, 3. August 2015
Uploaded: 03.08.2015 18:46:05 by mis
Untersucht wurden US-Soldaten die unter anderem bei Explosionen Schädel-Hirn-Traumata erlitten hatten /dpa

Bethesda – Wiederholte Schädel-Hirn-Traumata, wie sie Soldaten im Krieg häufig erleiden, können laut einer Studie in JAMA Neurology (2015; doi: 10.1001/jamaneurol.2015.1583) zu einem längerfristigen Anstieg von Tau-Proteinen im Blut führen, die ein Biomarker für kognitive Spätschäden sind.

Tau-Proteine sind ein Bestandteil des Zytoskeletts von Nervenzellen. Bei einer Verletzung werden sie in den Liquor geschwemmt. Dort kommt es bereits nach einem leichten Schädel-Hirn-Trauma (etwa bei Boxern) zu einem Anstieg. Mit einem ultrasensitiven Test des US-Herstellers Quanterix lassen sich Tau-Proteine auch im Blut nachweisen. Nach einer einmaligen Verletzung verschwinden sie in der Regel nach einiger Zeit wieder.

Bei einem wiederholten Schädel-Hirn-Trauma können sie jedoch über längere Zeit nachweisbar sein, wie ein Team um Jessica Hill vom National Institute of Nursing Research in einer Untersuchung von 70 Soldaten, die während ihrer Entsendung in den Irak oder nach Afghanistan ein oder mehrere milde Schädel-Hirn-Traumata erlitten hatten. Die Soldaten hatten im Gefecht, bei Explosionen, bei Autounfällen oder auch „nur“ bei sportlichen Aktivitäten eine kurze Bewusstlosigkeit erlitten oder nach einer Kopfverletzung über eine retrograde Amnesie geklagt. Bei anderen Soldaten hatten Ärzte ein Schädel-Hirn-Trauma diagnostiziert.

In den Blutproben, die bis zu 18 Monate nach der letzten Verletzung entnommen worden waren, hatten Patienten mit selbst- oder vom Arzt diagnostizierten Schädel-Hirn-Trau­mata höhere Tau-Konzentrationen im Blut als in der Vergleichsgruppe von 28 Soldaten, die unverletzt geblieben waren (1,57 versus 0,85 pg/ml). Es bestand auch eine Korrelation zur Anzahl der Verletzungen.

Soldaten mit drei oder mehr Schädel-Hirn-Traumata hatten höhere Tau-Konzentrationen im Blut als Soldaten mit weniger Verletzungen (1,52 versus 0,82 pg/ml). Die Korrela­tionen waren signifikant, doch die Treffgenauigkeit war bescheiden. In der Receiver Operating Characteristic oder ROC-Kurve erzielte eine erhöhte Tau-Konzentration nur einen Wert von 0,74 (1,0 ist hier maximal, 0,5 ist Zufallsergebnis) für die Diagnose eines früheren Schädel-Hirn-Traumas. Für den Vergleich von drei oder mehr zu weniger als 3 Schädel-Hirn-Traumata betrug der Wert 0,73. Die erhöhte Konzentration von Tau-Prote­inen ging allerdings mit chronischen Störungen wie Depressionen oder der Post­traumatischen Belastungsstörung einher, die einen kausalen Zusammenhang unterstreichen.

Da bei allen Soldaten nur eine einzelne Blutprobe untersucht wurde, bleibt unklar, ob die Tau-Konzentration mit der Zeit zurückgeht, was ein Zeichen für eine allmähliche Ausheilung des Hirnschadens wäre. Elaine Peskind vom VA Puget Sound Health Care System in Seattle merkt im Editorial an, dass der Test relativ neu ist und nicht auszuschließen ist, dass die Tau-Proteine im Blut auch aus der Muskulatur ins Blut ausgeschwemmt sein könnten.

rme

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