Misshandlung in der Kindheit kann bipolare Depressionen verschlimmern
London – Patienten mit bipolaren Depressionen erkranken früher und schwerer an der psychischen Störung, wenn sie in der Kindheit eine Form von Misshandlung erfahren haben. Dies schließen Jessica Agnew-Blais, und Andrea Danese am King's College London aus einer Metaanalyse, deren Ergebnisse sie in Lancet Psychiatry veröffentlicht haben (doi: 10.1016/S2215-0366(15)00544-1).
Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt: Bei einer bipolaren Depression wechseln sich Phasen tiefster Depression mit manischen Episoden ab. Während in den Tiefphasen die typischen depressiven Symptome dominieren, kommt es in den manischen Phasen zu einem Gefühlshoch und einem gesteigerten Antrieb. Die emotionale Instabilität ist für den Betroffenen nur schwer erträglich. Das Suizidrisiko der Patienten ist in der Regel noch höher als für Patienten, die an einer unipolaren Depression leiden. Rund 15 Prozent aller bipolar Erkrankten suizidieren sich. Je nach genetischer Prädisposition und Umweltfaktoren kann das individuelle Suizidrisiko jedoch unterschiedlich hoch ausfallen. Die Forschung ist daher bemüht, Risikofaktoren für einen schweren Erkrankungsverlauf zu identifizieren.
Die Wissenschaftler untersuchten den Einfluss von kindlichen Misshandlungen auf den Erkrankungsverlauf von bipolaren Patienten. Sie analysierten dazu 30 Studien, an denen insgesamt mehrere tausend Patienten teilgenommen hatten.
Bei der Analyse der Daten zeigte sich, dass sich Kindesmisshandlungen in Form von Vernachlässigung oder physischer, psychischer und sexueller Gewalt auf die Symptomschwere und den Erkrankungsbeginn deutlich negativ auswirkte. Durch die Misshandlung erkrankten die Patienten etwa sechs Jahre früher und das Risiko für einen Suizid stieg deutlich (Odds= 2,25). Die Häufigkeit depressiver und manischer Phasen, sowie das Risiko für Suchterkrankungen waren bei den Patienten ebenfalls erhöht.
Die Forscher gehen davon aus, dass Patienten mit Misshandlungserfahrungen in ihrer Kindheit eher schwere Krankheitsverläufe zeigen. Diese Risikopatienten könnten daher von einer intensiven und frühen Behandlung besonders profitieren.
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