Modellprojekt zur medizinischen Versorgung für Menschen ohne Papiere
Jena/Erfurt – Krank und ohne Ausweis in Deutschland: Mit 230.000 Euro fördert das Sozialministerium in Thüringen in diesem Jahr den Aufbau einer medizischen Versorgungs- und Vermittlungsstelle für Menschen ohne Papiere. Zum Start des Modellprojektes übergab Ministerin Heike Werner (Linke) heute die Fördermittel an den Verein „Anonymer Krankenschein“ Jena. Er setzt sich dafür ein, dass Menschen ohne Krankenversicherung oder solche, die aus Angst vor Abschiebung keinen Arzt aufsuchen, medizinische Hilfe erhalten.
Ziel sei eine flächendeckende medizinische Versorgung dieser Menschen unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus, sagte Werner. Allein eine auf dem Ehrenamt basierende Versorgung – bei allem Engagement – könne auf Dauer die notwendigen Behandlungen nicht sicherstellen. Gefördert werden je eine Arzt- und eine Verwaltungsstelle in Teilzeit sowie medizinische Behandlungen und Arzneimittel.
Für Menschen ohne Papiere, darunter Flüchtlinge, hat sich die rot-rot-grüne Regierung in ihrem Koalitionsvertrag für die Einführung von anonymisierten Krankenscheinen eingesetzt. Laut Aufenthaltsgesetz sind die Sozialämter verpflichtet, Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus an die Ausländerbehörde zu melden. Aus Angst vor Abschiebung lassen sie viele Betroffene daher nicht behandeln.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: