Medizin

Multiple Sklerose: Vitamin D-Gene beeinflussen Krankheitsrisiko

  • Donnerstag, 27. August 2015
Uploaded: 07.08.2014 16:39:19 by mis
vVitamin-D-Kapseln dpa

Montreal - Vier Genvarianten, die den Vitamin D-Spiegel senken, waren in einer Mendel’schen Randomisierung signifikant mit einem erhöhten Risiko auf eine Multiple Sklerose assoziiert. Die in PLOS Medicine (2015; doi: 10.1371/journal.pmed.1001866) publizierte Studie bestätigt die Hypothese, nach der eine verminderte Vitamin D-Bildung in der Haut den Anstieg der Erkrankungsrate mit dem geografischen Breitengrad erklärt.

Seit langem ist bekannt, dass die Prävalenz der Multiplen Sklerose mit dem Abstand des Wohnorts zum Äquator zunimmt. Dies hat schon früh zu der Vermutung geführt, dass die mit der verminderten Sonneneinstrahlung abnehmende Vitamin D-Synthese in der Haut die Entwicklung der Autoimmunerkrankung begünstigen könnte. Bewiesen ist dies nicht, zumal mehrere klinische Studien gezeigt haben, dass die Einnahme von Vitamin D die Zahl der Krankheitsschübe nicht senkt. Dies schließt jedoch nicht die Möglichkeit aus, dass Vitamin D ein Verursacher oder wenigstens ein prädisponierender Faktor der Erkrankung ist. Nach dem Ausbruch der Erkrankung könnte es für eine Therapie zu spät sein.

Die Entdeckung von vier Genvarianten (SNP), die mit einem niedrigen Vitamin D-Spiegel assoziiert sind, hat ein Team um Brent Richards vom Jewish General Hospital in Montreal veranlasst, die Hypothese erneut zu untersuchen. Alle vier SNP befinden sich in der Nähe von Genen, die die Synthese von Vitamin D beeinflussen: 

„DHCR7“ kodiert ein Enzym der Cholesterinsynthese. Das in der Leber hydroxalierte Cholesterin ist ein Substrat für die Vitamin-D-Produktion, die durch „CYP2R1“ reguliert wird. „GC“ ist ein Bestandteil des Vitamin D-Transportproteins und „CYP24A1“ ist für den Abbau des Hormons in der Leber zuständig. Alle vier SNP waren bereits in einer früheren Studie mit niedrigen Vitamin D-Konzentrationen im Blut assoziiert. Richards konnte dies an einer Kohorte der Canadian Multicentre Osteoporosis Study bestätigen.

Danach untersuchte Richards in einer Mendel’schen Randomisierung den Einfluss der vier SNP auf das Erkrankungsrisiko. Die Daten lieferte unter anderem die Kohorte des International Multiple Sclerosis Genenetics Consortium. Die „Mendel’sche Rando­misierung“ ist im Prinzip eine Assoziationstudie. Sie sucht nach einer Verbindung zwischen einem genetischen Merkmal (hier die 4 SNP) und einem Endpunkt (hier die Erkrankung an einer MS).

Da die genetischen Merkmale angeboren sind, ist die Gefahr einer Verzerrung gering, weshalb die Evidenz der Mendel’schen Randomisierung gerne mit der einer randomisierten klinischen Studie gleichgesetzt wird. Richards kommt zu dem Ergebnis, dass eine genetische Verminderung des Vitamin D um eine Standardabweichung einer Verdopplung des MS-Risikos gleichkommt (Odds Ratio 2,02; 1,65-2,46).

Ob dies einen kausalen Einfluss des Vitamin D-Spiegels auf die Erkrankung belegt, dürfte unter Experten weiter umstritten sein. Ein lupenreiner Beweis wäre wohl nur durch eine randomisierte klinische Studie zu erbringen. Das Centre Hospitalier Universitaire de Nimes in Frankreich führt derzeit eine solche Studie an Personen durch, die bereits ein Erstsyndrom einer möglichen Erkrankung (clinically isolated syndrome, CIS) erlitten haben. Ob die Vitamin D-Substitution zu diesem Zeitpunkt allerdings noch rechtzeitig kommt, bleibt abzuwarten. Die Ergebnisse der Studie stehen noch aus.

Richards jedenfalls rät aufgrund seiner Ergebnisse allen Menschen positiver Familienanamnese (MS-Patienten in der Familie erhöhen das Erkrankungsrisiko), ihren Vitamin D-Status bestimmen zu lassen und einen etwaigen Mangel zu korrigieren. Die Substitution sei in der Regel sicher und kostengünstig. Ob sie tatsächlich einer Erkrankung vorbeugen kann, ist jedoch nicht sicher.

rme

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