Nachbesserungsbedarf beim Konsenspapier zum Quereinstieg Allgemeinmedizin

Düsseldorf – Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) sieht Nachbesserungsbedarf beim gerade erst unterzeichneten Konsenspapier zur finanziellen Förderung des Quereinstiegs von Ärzten in die Allgemeinmedizin, auf das sich die Ärztekammern, die Kassenärztlichen Vereinigungen und das Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen (NRW) verständigt haben.
„Ich halte die Vereinbarung insgesamt aber für ausgewogen, auch wenn wir uns Einiges noch prägnanter gewünscht hätten“, sagte Carsten König in der jüngsten Sitzung der Vertreterversammlung (VV). So hält die KVNO den Wunsch des Landesgesundheitsministeriums, besonders kleinere Gemeinden zu fördern, im Rheinland „für nicht ausreichend“.
Als Beispiel nannte der stellvertretende KVNO-Vorstandsvorsitzende den Kreis Kleve, der deutlich mehr Einwohner habe als die im Papier festgelegte Zahl von 40.000 und trotzdem zu den Regionen gehöre, die von Unterversorgung bedroht seien. Auch in diesen Regionen sollte nach Ansicht Königs der Quereinstieg von Ärzten in die Allgemeinmedizin finanziell gefördert werden.
„Wir wollen bis April 2019 Erfahrungen sammeln und dann nachverhandeln“, kündigte er mit Blick auf die für das kommende Jahr geplante Evaluierung an. „Gleichwohl gehen wir davon aus, dass die finanzielle Unterstützung endlich mehr Kolleginnen und Kollegen zu einem Quereinstieg bewegen wird.“ Erste Anfragen dazu hätten die KVNO bereits erreicht.
Viel Bewegung gebe es auch bei den Disease-Management-Programmen (DMP) im Rheinland, freute sich König. So könnten in das DMP Asthma künftig bereits Kinder ab dem zweiten Lebensjahr aufgenommen werden. Zusätzlich seien bessere Schulungen und Fortbildungen für die Eltern geplant.
Für das neu auf den Weg gebrachte DMP Herzinsuffizienz sei ein entsprechender Vertragsabschluss mit den Kostenträgern im ersten Drittel des Jahres 2019 absehbar. „Gelungen finde ich dabei auch, dass es möglich ist, Patienten durch qualifizierte Befragungen anhand sicherer Scores zu überwachen“, erläuterte der KVNO-Vize. Das könnten entsprechend qualifizierte Praxis-Mitarbeiter übernehmen und werde so zu einer Entlastung der Ärzte führen.
Auch die inzwischen vollzogene inhaltliche Überarbeitung des DMP Brustkrebs sei „äußert wichtig, da Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung von Frauen darstellt.“ Das bisherige DMP habe vor allem auf die Therapie abgezielt, die aber inzwischen weitgehend von den Kliniken durchgeführt werde. Demgegenüber ziele das überarbeitete DMP stärker auf die Nachsorge ab, darunter auch auf die Vorsorge von Folgeerkrankungen der Therapie wie Osteoporose.
König hofft, „dass viele Kolleginnen und Kollegen ihre Patientinnen zur Teilnahme an dem DMP motivieren“. Gut an kommt bei den rheinischen Vertragsärzten inzwischen das DMP-Teilnehmerverzeichnis, das die KVNO Ende vergangenen Jahres eingerichtet hat. „Die Einschreibequalität hat sich in den letzten Monaten deutlich verbessert“, berichtete König.
„Dadurch konnten wir die mögliche Abrechnung falscher Symbolziffern deutlich verringern.“ Die Honorarberichtigungen, die in 2017 noch zehn Millionen Euro betragen hätten, seien jetzt „auf ein kleines Niveau gesunken“. „Besonders freut mich, dass sich ab 2019 auch die Barmer als erste Ersatzkasse unseren Qualitätsmaßnahmen anschließen möchte.“
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