Neue Leitlinie zum polyzystischen Ovarsyndrom erschienen

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) hat zusammen mit anderen medizinischen Fachgesellschaften eine S2k-Leitlinie zum polyzystischen Ovarsyndrom (PCOS) vorgestellt.
„Damit erhalten Ärztinnen und Ärzte aktuelle Empfehlungen, die eine schnellere Diagnose, gezielte Therapie sowie Vorbeugung von Folgeerkrankungen und damit spürbar mehr Lebensqualität für die Betroffenen ermöglichen“, hieß es aus der Fachgesellschaft.
Das PCOS betrifft jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter. Die Hormonstörung führt oft zu Zyklusstörungen, unerfülltem Kinderwunsch und erhöhten Risiken für Diabetes sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
„Es handelt sich um ein komplexes endokrinologisch, gynäkologisch und internistisches Krankheitsbild mit bisher unklarer Ursache“, sagte die Koordinatorin der Leitlinie, Cornelia Jaursch-Hancke, leitende Endokrinologin an der DKD HELIOS Klinik Wiesbaden.
Die Stoffwechselstörung bewirkt, dass die Eierstöcke zu viele männliche Sexualhormone wie Testosteron produzieren, was zu hormonellem Ungleichgewicht, Zyklusstörungen und zystenähnlichen Bläschen an den Eierstöcken führen kann. Dieser Überschuss verursacht zudem häufig Symptome wie starke Körperbehaarung, dünner werdendes Kopfhaar und Übergewicht.
„Bei betroffenen Frauen steigt auch das Risiko für weitere Erkrankungen: Typ 2 Diabetes, Schwangerschaftsdiabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleber sowie psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen. Daher ist eine frühe Diagnose entscheidend“, ergänzte Susanne Reger-Tan, Direktorin der Klinik für Diabetologie und Endokrinologie am Herz- und Diabetes-Zentrum NRW und Mitkoordinatorin der Leitlinie.
Laut der Leitlinie liegt ein PCOS vor, wenn mindestens zwei der folgenden drei Kriterien erfüllt sind: ein klinischer oder biochemischer Hyperandrogenismus, eine ovulatorische Dysfunktion sowie drittens eine polyzystische Ovarmorphologie, eine Veränderung der Eierstöcke oder eine hohe Konzentration des Anti-Müller-Hormons (AMH), das in den Eierstöcken produziert wird.
„Die Symptome bei PCOS sind sehr ähnlich zu anderen Erkrankungen, beispielsweise der Schilddrüse, Tumoren oder des Cushing-Syndroms“, sagte Jaursch-Hancke. Für die Diagnose sei es daher nötig, andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen.
Die Leitlinie empfiehlt für die Betroffenen regelmäßige Untersuchungen auf Risikofaktoren und Begleiterkrankungen – unter anderem eine Überprüfung des Zuckerstoffwechsels beispielsweise mit einem oralen Glukosetoleranztest.
Wichtig seien außerdem regelmäßige Kontrollen von Gewicht, Blutdruck und Fettstoffwechsel. Ärztinnen und Ärzte sollten außerdem auf psychische Belastungen wie Depressionen, Angststörungen oder ein negatives Körperbild achten und dies frühzeitig in die Behandlungen einbeziehen.
„Nur im Team aus Endokrinologie, Gynäkologie, Diabetologie und Psychologie können wir Frauen mit PCOS optimal behandeln und Komplikationen vorbeugen“, so Jaursch-Hancke.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: