Neue S2k-Leitlinie zu Trophoblasterkrankungen

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) hat zusammen mit ihrer österreichischen und ihrer schweizerischen Partnergesellschaft eine S2k-Leitlinie „Gestationsbedingte und nicht-gestationsbedingte Trophoblasterkrankungen“ vorgestellt.
Dies ist eine heterogene Gruppe von Krankheitsbildern, die durch eine Fehldifferenzierung oder Proliferation des Trophoblastepithels gekennzeichnet sind. Als Trophoblastepithel wird die äußere Zellschicht der frühen Form eines Embryos bezeichnet, die sich später zum kindlichen Teil der Plazenta entwickelt und den Embryo mit Nährstoffen versorgt.
Die Leitliniengruppe unterscheidet zwischen villösen und nicht-villösen Formen, die jeweils sowohl gut- als auch bösartige Erkrankungen einschließen. Darüber hinaus gibt es Fälle, in denen sich gutartige zu bösartigen Krankheitsbildern wandeln.
Die villösen gestationsbedingten Trophoblasterkrankungen umfassen die Partial-, die Blasen- sowie die invasiven Fehlbildungen der Plazenta, auch Mole genannt. Sogenannte Partial- und Blasenmolen zählen zu den häufigsten Formen. Sie weisen besondere chromosomale Charakteristika infolge einer Befruchtungsstörung auf.
„Partialmolen sollen genauso wie Blasenmolen mit einer vollständigen Entleerung von Trophoblastmaterial aus der Gebärmutterhöhle therapiert werden“, sagte Lars Christian Horn, Leitlinienkoordinator vom Institut für Pathologie am Universitätsklinikum Leipzig.
Invasive Molen zeigten anhaltende oder ansteigende Werte des humanen Choriongonadotropins (hCG) auf und seien durch Vaginalsonografie nachweisbar. Bei Feststellung einer invasiven Mole soll laut Leitlinie eine Chemotherapie erfolgen. In bestimmten Fällen – zum Beispiel nach einer Hysterektomie – könne aber darauf verzichtet werden. Wöchentliche hCG-Kontrollen seien indiziert, heißt es.
Die Leitlinie geht außerdem auf nicht-villöse Formen von gestationsbedingten Trophoblasterkrankungen sowie auf nicht-gestationsbedingte Trophoblasterkrankungen ein.
„Bei nicht-gestationsbedingten Trophoblasterkrankungen (NGTD) kann es sich um Chorionkarzinome des Ovars als eine seltene Variante reiner oder mischdifferenzierter Keimzelltumoren handeln“, erläuterte Ingolf Juhasz-Boess, Leitlinienkoordinator von der Universitäts-Frauenklinik Freiburg.
NGTD können nach Informationen der Leitlinie auch im Rahmen von Urothelkarzinomen mit trophoblastärer Differenzierung vorkommen, während primär trophoblastär differenzierte Tumoren anderer Lokalisation extrem selten seien.
Ein weiteres Thema der Leitlinie sind Schwangerschaften nach Trophoblastenerkrankungen. „Sie sind möglich und nicht mit einer ungünstigen mütterlichen, fetalen oder neonatalen Prognose assoziiert. Zu beachten ist jedoch das Wiederholungsrisiko der Trophoblastenerkrankung“, sagte Clemens Tempfer vom Marien Hospital Herne – Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, ebenfalls Koordinator der Leitlinie.
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