Politik

Neue STIKO-Empfehlung: Im Jugendalter gegen Meningokokken A, C, W und Y impfen

  • Donnerstag, 30. Oktober 2025
Meningokokken (orange) haben sich an menschliche Wirtszellen (grün) angeheftet. Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme in Falschfarbendarstellung. /Alexandra Schubert-Unkmeir, Universität Würzburg
Meningokokken (orange) haben sich an menschliche Wirtszellen (grün) angeheftet. Rasterelektronenmikroskopische Aufnahme in Falschfarbendarstellung. /Alexandra Schubert-Unkmeir, Universität Würzburg

Berlin – Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 14 Jahren sollen einmalig eine Impfung gegen Meningokokken der Serogruppen A, C, W und Y (MenACWY) erhalten. Das ist eine neue Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut (RKI), die heute im Epidemiologischen Bulletin erschienen ist.

Die MenACWY-Impfung kann, wenn sie verpasst wurde, bis zum 25. Geburtstag nachgeholt werden. Gleichzeitig empfiehlt die STIKO, Säuglinge im Alter von 12 Monaten nicht mehr gegen Meningokokken C (MenC) zu impfen.

Insgesamt kommen invasive Meningokokkenerkrankungen (IME) der Serogruppen A, C, W und Y hierzulande eher selten vor, schreibt die STIKO. Aber der Verlauf sei in den meisten Fällen schwerwiegend, die Letalität betrage etwa zehn bis 13 Prozent. Viele Überlebende litten an Langzeitfolgen wie Hydrozephalus, Epilepsie, Amputationen oder chronischem Nierenversagen.

Jugendliche mit den höchsten Risiko für IME

Für die Impfung gegen MenACWY bei älteren Kindern und Jugendlichen stehen der STIKO zufolge in der Europäischen Union (EU) drei quadrivalente Vakzine zur Verfügung. Diese seien sehr wirksam und gut verträglich, sagte Alexander Dalpke, Zentrum für Infektiologie, Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Universitätsklinikum Heidelberg, auf einem Pressebriefing des Science Media Centers Deutschland.

Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 14 und 25 Jahren hätten neben Säuglingen im ersten Lebensjahr das höchste Risiko für IME verursacht durch die genannten Serogruppen, erläuterte das STIKO-Mitglied Dalpke.

„Der Zeitpunkt der jetzigen Impfempfehlung mit zwölf bis 14 Jahren ist so gewählt, dass die Kinder und Jugendlichen geimpft werden, bevor der Krankheitsgipfel auftritt“, erklärte Dalpke. Dadurch erhoffe man sich den effizientesten Schutz vor dieser schweren Erkrankung.

Modellierungen zeigten, dass durch die Impfung in diesem Alter die Krankheitslast durch MenACWY-bedingte IME am besten gesenkt werde. Zum einen würden die Geimpften selbst geschützt und zum anderen sei zu erwarten, dass die Erregerzirkulation in der gesamten Bevölkerung reduziert werde.

Ein Grund dafür sei, dass Jugendliche unter allen Altersgruppen die höchsten Kolonisationsraten von Meningokokken aufwiesen und somit die Erreger weiterverbreiten können. „Von der Impfung ist bekannt, dass sie nicht nur vor der invasiven Erkrankung schützt, sondern gleichzeitig auch die Kolonisationsrate senken kann“, betonte der Experte.

Zudem existiere die Jugendgesundheitsuntersuchung J1 für die Zwölf- bis 14-Jährigen, „sodass es die Möglichkeit gibt, die zu Impfenden tatsächlich zu erreichen.“ Außerdem erhofft sich die STIKO eine Steigerung der Raten für andere in dieser Altersgruppe empfohlene Impfungen, etwa gegen HPV und Tdap-IPV (Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Polio). Diese können zeitgleich mit der MenACWY-Impfung durchgeführt werden.

Impfung gegen MenC nicht mehr empfohlen

Säuglinge sollen im Alter von zwölf Monaten nicht mehr gegen MenC geimpft werden, so Dalpke. Grund dafür sei der starke Rückgang der durch diese Serogruppe verursachten IME, führte Dalpke aus. So habe es zwischen 2020 und 2023 keinen einzigen Fall in Deutschland gegeben, 2024 sei seines Wissens ein Fall aufgetreten.

Da die MenC-bedingten IME nicht nur bei den geimpften Kindern, sondern auch bei ungeimpften jüngeren Babys deutlich zurückgegangen ist, spielen weitere Faktoren neben der Impfung hier eine Rolle, heißt es im Epidemiologischen Bulletin.

In den ersten beiden Lebensjahren gebe es nun eine Impfung weniger, sagte Dalpke, so dass der Impfkalender etwas entzerrt würde und andere Impfungen, vor allem die gegen Pneumokokken, zeitgerecht erfolgen können. „Die Krankheitslast durch Pneumokokken ist 50- bis 100-mal als die durch Meningokokken.“

Das betonte auch Julia Tabatabai, Allgemein- und Kinderärztliche Gemeinschaftspraxis, Scheden; Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin/Zentrum für Infektiologie, Virologie, Universitätsklinikum Heidelberg und ebenfalls STIKO-Mitglied. „Wir haben mittlerweile einen sehr vollen Impfkalender in den ersten anderthalb Lebensjahren.“ Nicht selten komme es zu deutlich verzögerten Impfungen, sodass Kinder zum Beispiel die Pneumokokken-Impfung viel zu spät erhalten.

Nach wie vor sollen Säuglinge im ersten Lebensjahr gegen Meningokokken der Serogruppe B (MenB) geimpft werden. Diese Empfehlung hat die STIKO im vergangenen Jahr ausgesprochen. MenB seien in dieser Altersgruppe die häufigsten Verursacher von IME, so Dalpke. Man hoffe, dass die Zahl der Erkrankungen durch die Impfung deutlich zurückgehe.

aks

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