Medizin

Neuer Malaria-Atlas

  • Mittwoch, 27. Februar 2008
Malariaatlas

Oxford – Jeder dritte Mensch lebt in Regionen, in denen die Malaria verbreitet ist. Dies zeigen die Ergebnisse des Malaria Atlas Project, die jetzt in PLoS Medicine (2008; 5: e38) publiziert wurden. Die Karten zur Verbreitung der Malaria, die sich in Fachbüchern zur Tropenmedizin und in Reiseführern finden, wurden 1968 erstellt und sind seit langem überholt.

Der Wellcome Trust hat deshalb 2006 das Malaria Atlas Project ins Leben gerufen. Wissenschaftler aus Kenia, den USA und der Universität Oxford tragen seither in akribischer Arbeit Berichte aus aller Welt zusammen. Fast 5000 Quellen aus 87 Ländern zu Erkrankungszahlen und zur Verbreitung infizierter Anopheles-Mücken wurden ausgewertet, um daraus eine Weltkarte des Infektionsrisikos zu erstellen.

Die gute Nachricht lautet. Plasmodium falciparum, der Erreger der Malaria tropica, der gefährlichsten Variante der Krankheit, ist weniger stark verbreitet, als die alten Karten vermuten ließen. In vielen Ländern, in denen die Erkrankung bisher als endemisch galt, liegt die Zahl der Neuerkrankungen pro Jahr (annual parasite incidence) unter einem auf 10.000 Einwohner. Das Ansteckungsrisiko für Einheimische und insbesondere für Touristen ist damit gering.  Die Möglichkeit, die Erkrankung völlig auszurotten ist daher durchaus realistisch, berichten Carlos Guerra von der Universität Oxford und Mitarbeiter. 

Diese Regionen (auf der Karte rosa) mit instabiler Malariaausbreitung befinden sich vor allem in Zentral- und Südamerika, in Asien und selbst in Teilen Afrikas (etwa in der Region südlich der Sahara oder im Norden Namibias). Sie werden von etwa einer Milliarde Menschen bewohnt. Weitere 1,37 Menschen wohnen in den Endemieregionen (in der Karte rot) in Schwarzafrika, im Amazonasbecken, in Indien, Südostasien und der Pazifikregion, wo das Infektionsrisiko zum Teil sehr hoch ist. Die schlechte Nachricht lautet deshalb, dass 2,37 Milliarden Menschen oder 35 Prozent der Weltbevölkerung potenziell malariagefährdet sind.

Die Karte soll ständig überarbeitet werden. Veränderungen gibt es derzeit im Jemen. Dort wird mit Unterstützung Saudi-Arabiens versucht, die Malaria zu eliminieren. Mit den Flüchtlingsströmen aus Somalia werden seit einiger Zeit jedoch  die Malariavektoren wieder auf die Arabische Halbinsel eingeführt. © rme/aerzteblatt.de

rme

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