Neues Brustkrebs-Gen gefunden
Cambridge - Mehr als ein Drittel aller „Basal-like“ Karzinome, auf die die Mehrzahl der dreifach tripelnegativen Mammakarzinome entfällt, wird durch die Überaktivität des Gens „BCL11A“ angetrieben, wie ein Forscherteam in Nature Communications (2015; doi: 10.1038/ncomms6987) berichtet. Das neue Brustkrebs-Gen könnte einen neuen Therapieansatz für eine bisher nur schwer zu therapierende Variante des Mammakarzinoms bieten.
Bei jedem fünften Mammakarzinom fehlen auf den Tumorzellen Rezeptoren für die Hormone Östrogen und Progesteron sowie der Typ2 Rezeptor (HER2) für den epidermalen Wachstumsfaktor. Diese tripelnegativen Mammakarzinome zeichnen sich durch eine schlechte Prognose aus. Gleichzeitig sind die therapeutischen Möglichkeiten eingeschränkt, da der HER2-Antikörper Trastuzumab keinen Angriffspunkt findet.
Die Mehrzahl der tripelnegativen Mammakarzinome entfällt auf die „Basal-like“ Karzinome (benannt nach der Expression bestimmter Keratine von basalen Epithelien). Walid Khaled vom Sanger Institute in Hinxton bei Cambridge und Mitarbeiter haben jetzt entdeckt, dass 38 Prozent aller „Basal-like“ Karzinome das Gen BCL11A vermehrt aus dem Erbgut abrufen. Es handelt sich um einen Transkriptionsfaktor, der die Aktivität anderer Gene steuert.
Wie BCL11A das Krebswachstum fördert, ist nicht bekannt. Die Forscher konnten in Laborexperimenten jedoch die Malignität der Krebszellen erhöhen, in dem sie die Expression von BCL11A steigerten. Wurde das Gen ausgeschaltet, verloren die Krebszellen ihre Fähigkeit zur Tumorbildung. Die Entfernung des Gens ging mit einem Mangel an Krebsstammzellen im Tumor einher.
Dies alles spricht für eine zentrale Bedeutung von BCL11A in der Pathogenese von „Basal-like“ Mammakarzinomen. Die Studienergebnisse könnten neue therapeutische Möglichkeiten eröffnen. So könnte beispielsweise versucht werden, die Aktivität von BCL11A in Tumorzellen durch Antisense-Moleküle zu hemmen.
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