Neurologen warnen vor Zwei-Klassen-Medizin
München – Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat vor einem medizinischen Versorgungsproblem der älter werdenden Gesellschaft gewarnt. „Stell dir vor, du bist alt und kannst nicht mehr zum Facharzt“, sagte DGN-Vorsitzender Martin Grond heute auf der Neurowoche in München.
Es bestehe die Gefahr, dass die Politik und mit ihr auch medizinische Standeskreise mit neuen Geriatriekonzepten eine „Zwei-Klassen-Medizin für Alte“ entwickeln, so Grond weiter. Laut DGN spürt die Medizin schon seit Jahren das überproportionale Nachwachsen alter Patienten in den Kliniken und Praxen. Zudem stiegen ab einem Alter von etwa 65 Jahren die Gesundheitskosten pro Einwohner und Jahr deutlich an, ab 80 Jahren schnellten sie regelrecht in die Höhe.
Die politischen Weichenstellungen gehen dabei in Richtung eines Konzepts der „Allgemeinmedizinischen Geriatrie“ oder „Inneren Allgemeingeriatrie“, ähnlich einem Konzept des Kinderarztes. Grond kritisierte, dass die Neurologie, die bereits heute überwiegend geriatrisch arbeite, in diesen Planungspapieren lediglich als Appendix oder untergeordnete Hilfsdisziplin gesehen werde.
„Dies ist eine politisch äußerst kurzsichtige Blickweise, mit der die Gesundheitskosten noch weiter steigen werden“, sagte der DGN-Vorsitzende. Zwei Drittel der Diagnosen alter Menschen seien nämlich neurologisch-psychiatrisch, müssten also von Neurologen oder Psychiatern behandelt werden. Dann würden auch die Kosten nicht steigen, sondern vielmehr sinken. „Wir müssen aufpassen, dass durch kurzsichtige Kostenkalkulationen nicht Greisenärzte entstehen, die alte Patienten routinemäßig nach Schema F behandeln", mahnte der DGN-Vorsitzende.
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