Neurologie: Nur wenig Teilzeitmöglichkeiten in Führungspositionen

Berlin – Teilzeitmodelle auch in der Chefetage könnten die Chance bieten, mehr neurologisch tätige Ärztinnen in Führungspositionen zu bringen. Darüber sprach Christine Klein, ehemalige Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), bei der Neurowoche 2022 mit Hinblick auf eine bislang nicht publizierte Umfrage unter DGN-Mitgliedern.
Der Umfrage zufolge arbeiteten Ärztinnen in der Neurologie weitaus häufiger in Teilzeit als Ärzte – und das über alle Karrierestufen hinweg. Zudem zeigte die Umfrage, dass der Anteil von Personen in Teilzeit mit steigerder Karrierestufe sinkt.
Um mehr Frauen in neurologische Führungspositionen zu bringen, müsse daher diskutiert werden, ob auch in der Chefetage „Jobsharing“ möglich sei, sagte Klein. „Wir müssen hier neue Wege gehen und das alte Paradigma, dass eine Chefposition generell nicht teilbar ist, hinterfragen.“
So sei das Teilen einer Führungsposition zwar eine große Herausforderung und setze eine reibungslose Absprache voraus, dennoch sollten Modelle für ein Jobsharing in gehobenen Positionen erarbeitet und erprobt werden, sagte die Leiterin der Arbeitsgruppe „Gender Equality“.
„Wir müssen zumindest eine Kultur entwickeln, die das Suchen nach Lösungen erlaubt.“ Neben dem Jobsharing wären auch Rotationsmodelle denkbar, sie hätten jedoch den Nachteil der fehlenden Kontinuität.
Nach Angaben der DGN sind lediglich neun von 63 Professuren in der Neurologie von Frauen besetzt – das sind rund 14 Prozent. In kommunalen Häusern sind sogar weniger als zehn Prozent der Chefarzt- oder -ärztinnenpositionen mit Frauen besetzt (20 von 252).
„Das muss uns zu denken geben, und zwar insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Hälfte der Mitglieder unser Fachgesellschaft weiblich ist und im Medizinstudium und der Weiterbildungszeit Frauen bei Weitem in der Überzahl sind“, erklärte Klein.
Hinzu kommt, dass der Umfrage zufolge Männer und Frauen während der Weiterbildungszeit etwa gleich motiviert sind, eine Leitungsposition einzunehmen. Unter den befragten Fachärzten waren Frauen sogar etwas motivierter als Männer, eine Leitungsposition anzustreben.
Insbesondere in Rehakliniken arbeiten viele Frauen in Teilzeit. An den Unikliniken ist der Prozentsatz dagegen geringer. Dieses Umfrageergebnis suggeriere, dass mit einer Verbesserung von Teilzeitmodellen an Unikliniken gegebenenfalls auch mehr Frauen in diesem Bereich arbeiten würden, so Klein.
Besonders oft arbeiteten Frauen, die in Partnerschaft leben und mindestens ein Kind haben, in Teilzeit (fast 60 Prozent). Bei in Partnerschaft lebenden Männern mit mindestens einem Kind gaben hingegen nur 15 Prozent an, einen Teilzeitjob zu haben.
Von 9.600 DGN-Mitgliedern mit bekannter E-Mail-Adresse haben 499 den Fragebogen ausgefüllt und zurückgeschickt, die Rücklaufrate lag damit bei 5,2 Prozent.
Hinsichtlich der Karrierestufenverteilung repräsentieren die Umfrageteilnehmenden nach Angaben der DGN in etwa deren Mitgliederstruktur, lediglich der Anteil der Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung sei etwas geringer als in der Fachgesellschaft. Auffällig sei gewesen, dass sich mehrheitlich weibliche DGN-Mitglieder (69,6 Prozent) an der Umfrage beteiligt hätten.
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