Neurophysiologen therapieren psychische Erkrankungen
Köln – Die sogenannte tiefe Hirnstimulation könnte künftig Patienten mit Zwangsstörungen helfen. Das berichtet die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN).
Eine Verhaltenstherapie oder Medikamente führen bei etwa 70 bis 80 Prozent der Zwangs-patienten zum Erfolg. „Den anderen Patienten könnte künftig die tiefe Hirnstimulation helfen“, sagte Joachim Klosterkötter, Chefarzt an der Klinik für Psychiatrie der Uniklinik Köln.
„Gegen das typische Zittern, die schlechte Beweglichkeit und Muskelsteife von Parkinson-Patienten nutzen Neurologen die tiefe Hirnstimulation schon einige Jahre mit großem Erfolg“, erläuterte Gereon Fink, Chefarzt der Klinik für Neurologie der Uniklinik Köln und Kongresspräsident der 56. Jahrestagung der DGKN vom 15. bis 17. März in Köln.
Bei Parkinsonpatienten habe die tiefe Hirnstimulation nach der medikamentösen L-Dopa-Therapie den entscheidenden Durchbruch in der Behandlung gebracht. „Natürlich motiviert der Erfolg, neue Indikationen für diese Therapie zu suchen“, so Fink.
Bei der tiefen Hirnstimulation implantieren Ärzte Betroffenen Elektroden in bestimmte tief gelegene Hirnregionen. Diese senden elektrische Impulse an benachbarte Zellverbände, um gestörte Funktionskreise positiv zu beeinflussen. Ähnlich wie ein Herzschrittmacher werde der Impulsgeber meist unter dem Schlüsselbein platziert.
Nach ersten Ergebnissen verbessert das Verfahren bei etwa jedem zweiten therapieresistenten Patienten mit Zwangsstörungen die Symptome. Darüber hinaus sei die Therapie im Vergleich zu bisherigen operativen Verfahren gut verträglich.
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