Medizin

Nicht­raucher-Programm in England erfolgreich

  • Mittwoch, 21. August 2013
Uploaded: 21.08.2013 16:19:57 by mis
dpa

London – Ein Rauchstopp-Programm des Staatlichen Gesundheitsdienstes (NHS) stößt in England auf regen Zuspruch. Nach einer Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2013; 347: f4921) nahmen zuletzt 8 Prozent aller Raucher das Angebot einer Beratung mit anschließender medikamentös unterstützter Abstinenz an. Ein Drittel der Teilnehmer war nach vier Wochen nachweislich Nichtraucher.

Die englische Regierung hatte 1998 das National Centre for Smoking Cessation and Training (NCSCT) eingerichtet. Seit 2001 können sich Raucher an einem von 151 NHS-Verwaltungszentren („primary care trusts“) wenden, wo ihnen ein Einzelgespräch angeboten wird. Dort kann jeder Raucher den Zeitpunkt des Rauchstopps festlegen und sich ein Medikament zur Unterstützung des Abstinenzversuchs verordnen lassen. Der Erfolg wird vier Wochen später durch einen Atemtest auf Kohlenmonoxid in der Exspirationsluft gemessen.

Wie Robert West vom University College London berichtet, ist der Zuspruch in den ersten zehn Jahren des Programms stetig gestiegen. Nahmen 2001/2002 erst 227.335 Raucher das Angebot an, waren es 2010/20011 bereits 787.527 oder schätzungsweise 8 Prozent aller Raucher. Ungefähr ein Drittel der Raucher schaffte – wenigstens vorüber­gehend – den Absprung.

Die Abstinenzrate beim Atemtest lag 2001/2002 bei 35 Prozent fiel 2010/2011 nur geringfügig auf 34 Prozent ab. Etwa 80 Prozent der Raucher hatten die „One-to-one“-Beratung gewählt, die anderen hatten sich für Gruppengespräche und einige auch für eine telefonische oder Familienberatung entschieden. Die medikamentöse Unterstützung erfolgte überwiegend über eine Nikotinersatztherapie.

Der Anteil lag zwischenzeitlich bei 80 Prozent. Er ist in den letzten Jahren auf unter 70 Prozent gefallen: Ein Viertel der Raucher setzt derzeit den partiellen Nikotinantagonisten Vareniclin ein. Das Antidepressivum Bupropion wird kaum noch verordnet. Etwa die Hälfte der Abstinenzwilligen erhielt das Medikament kostenfrei verschrieben. Das Programm erreicht damit, wie beabsichtigt, auch sozial benachteiligte Bevöl­kerungs­gruppen, in denen der Anteil der Raucher besonders hoch ist.

Auch wenn viele „Quitter“ wieder rückfällig werden, könnte das Programm, so West, doch 20.000 Engländern geholfen haben, langfristig das Rauchen aufzugeben, was, so eine weitere Modellrechnung von West, einen Gewinn von fast 25.000 Lebensjahren bedeute. Ihnen stehen Kosten für das Programm von weniger als 100 Millionen Euro (ohne Medikamente) pro Jahr gegenüber.

West errechnet Kosten von knapp 4.000 Euro pro gerettetem Lebensjahr, was nach den Kriterien des National Institute for Health and Care Excellence (NICE) in hohem Maße kosteneffektiv ist. Ob das Programm allerdings langfristig Bestand hat, bleibt abzuwarten. Aufgrund der jüngsten Reform des NHS wurden Ende März alle „primary care trusts“ geschlossen. Das Smokefree-Training soll jetzt von den lokalen Behörden auf eigene Kosten fortgesetzt werden.

rme

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