Ärzteschaft

Nutzen von Künstlicher Intelligenz bei radiologischer Lungenkrebsdiagnostik nicht belegt

  • Donnerstag, 26. März 2026
/Peakstock, stock.adobe.com
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Köln – Künstliche Intelligenz (KI) gilt als entscheidende Technologie für mehr Effektivität und Genauigkeit bei der Diagnostik verschiedener Erkrankungen. Eine neue Methodenbewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zeigt aber jetzt: Für den Bereich der Lungenkrebsfrüherkennung und -diagnostik fehlt für diese Annahme eine belastbare Evidenz.

Das IQWiG hat zu der Fragestellung im Rahmen seiner Reihe „Themen-Check Medizin“ ein Health Technology Assessment (HTA) erstellt und stellt dieses zur Kommentierung bereit. Die Arbeitsgruppe bittet um Stellungnahmen zu dem vorläufigen Bericht bis zum 21. April. Die Fragestellungen der Themen-Checks Medizin gehen auf Anregungen von Bürgern zurück.

In dem HTA geht es um die Nutzenbewertung einer Befundung von Röntgenbildern oder einer Computertomografie der Lunge durch Radiologen mit Unterstützung von KI im Vergleich zur Befundung ohne KI – und zwar bei erwachsenen Personen mit Verdacht auf Lungenkrebs.

„Durch die umfassende Informationsbeschaffung wurde deutlich, dass keine Studien zur diagnostisch-therapeutischen Kette vorliegen, die eine direkte Aussage zur Auswirkung einer KI-unterstützten Diagnostik auf patientenrelevante Endpunkte ermöglichen würde“, berichtet das IQWiG-Team.

Zudem zeigte sich, dass Studien die Anwendung einer KI-unterstützten Befundung häufig nur dahin gehend untersuchten, wie gut die KI-gestützte Diagnostik verdächtige Lungenrundherde erkennen konnte. Die Studien haben jedoch häufig nicht verifiziert, ob die Personen mit verdächtigen Lungenrundherden tatsächlich Lungenkrebs hatten.

„Aus den Ergebnissen der Einzelstudien zur diagnostischen Güte einer Screeningrunde beziehungsweise einer einmaligen Diagnostik lässt sich aufgrund der geringen qualitativen Ergebnissicherheit kein Nutzen oder Schaden der KI-unterstützten Befundung im Vergleich zu einer alleinigen radiologischen Befundung ableiten“, lautet das Fazit der IQWiG-Arbeitsgruppe.

Auch eine Aussage zum Nutzen und zur Kosteneffektivität der KI-unterstützten Befundung ist laut dem Forschungsteam nicht ableitbar. 

hil

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