Lungenkrebsscreening: Mehr als 3.200 Radiologen bislang qualifiziert

Berlin – Die Vorbereitungen für den Start des Lungenkrebsscreenings am 1. April in Deutschland laufen. Mehr als 3.200 Radiologen sind nach Angaben des Portals Radiologie-finden hierzulande bereits zertifiziert, den CT-Scan der Lunge zu befunden. In der Charité Universitätsmedizin Berlin haben sogar vergangene Woche schon die ersten Personen den Lungencheck erhalten.
„Wir müssen nun viele Radiologen, aber auch Internisten, Hausärzte und Arbeitsmediziner ertüchtigen, weil sonst niemand in die Früherkennungsmaßnahme kommt“ sagte Jens Vogel-Claussen, Direktor der Klinik für Radiologie an der Charité, gestern bei einem Pressegespräch.
Er geht davon aus, dass zunächst nur ein kleiner Teil der Anspruchsberechtigten das Screening wahrnehmen wird. „Da wir keine strukturierte Einladung haben, denke ich, dass vielleicht zehn Prozent oder weniger in den ersten Jahren mitmachen.“ Vogel-Claussens Schätzung zufolge haben etwa sechs Millionen Menschen Anspruch auf die Untersuchung.
Die Informationen über den Lungencheck werden nicht wie zum Beispiel beim Mammografie-Screening mit einer Einladung der Krankenkasse an die Anspruchsberechtigten herangetragen, sondern erfolgen über Hausärzte, Arbeitsmediziner und Internisten.
„Krankenkassen haben die Information über den Raucherstatus der Versicherten nicht und können gar nicht gezielt einladen“, so Vogel-Claussen. Um das zukünftig zu ändern, gebe es dem Radiologen zufolge beispielsweise die Idee, eine Rauchanamnese und die eventuelle Rauchentwöhnung im Gesundheits-Check-up 35 zu verankern und die Informationen darüber an die Krankenkassen zu übermitteln.
Fortbildung zur Erstberatung für Hausärzte, Internisten und Arbeitsmediziner
Neben den Fachärztinnen und -ärzten aus der Radiologie benötigen auch die Erstberatenden eine Fortbildung. Laut Beschluss der Bundesärztekammer (BÄK) ist dafür aber eine Unterrichtseinheit von 45 Minuten ausreichend. Die Beratung wird mit einem kleinen Betrag vergütet.
Für die radiologische Qualifikation sind dagegen zwölf Unterrichtseinheiten von jeweils 45 Minuten erforderlich. Die Erstbefundung erfolgt mit einer speziellen Software, bei der auch Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt. Findet der Radiologe einen Kontroll- oder Abklärungsbedürftigen Befund, steht eine zweite Befundung und gemeinsame Beurteilung in einem Lungenkrebszentrum an.
Die Lungenscans werden mittels Low-Dose-CT durchgeführt. Die Strahlendosis dürfe dabei nicht höher liegen als 1,3 Milligray, erläuterte Vogel-Claussen. „Es gibt keine niedrigste Schwelle, bei der die Strahlung keine Auswirkungen hat.“
Allerdings überwiege der Nutzen des Screenings gegenüber einem möglichen Schaden. Insbesondere Frauen würden von der Untersuchung profitieren. An der Charité werde nicht nur das Lungenkrebsrisiko beurteilt, so der Radiologe weiter. So würde etwa zusätzlich Verkalkungsgrad der Koronararterien ermittelt.
Der Lungencheck richtet sich 50- bis 75-Jährige mit hohem Risiko für Lungenkrebs. Das sind Personen, die über mindestens 25 Jahre geraucht haben und mindestens 15 Packungsjahre aufweisen. Zudem müssen die Teilnehmenden fit genug sein, um eine potenzielle Therapie des Lungenkarzinoms mitmachen zu können.
Auch Ex-Rauchende sind anspruchsberechtigt, wenn ihr Rauchstopp weniger als zehn Jahre zurückliegt. Die Kriterien würden allerdings lediglich für den Konsum von Tabak gelten, nicht für E-Zigaretten oder Cannabis, erklärte Nikolaj Frost, Oberarzt der Klinik für Pneumologie an der Charité.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: