Obdachlose in Großbritannien sollen bis Weihnachten Dach über den Kopf bekommen

London – Mit einer nationalen Initiative will Großbritannien die Obdachlosigkeit in den Griff bekommen. Bis Weihnachten sollen betroffene Menschen ein Dach über dem Kopf haben, kündigte Premierminister Andy Burnham gestern an. Die Regierung stellt demnach insgesamt rund 442 Millionen Pfund für das Vorhaben bereit (rund 515 Millionen Euro).
Das Programm baut nach einem Bericht des Guardian auf einer Strategie gegen Wohnungs- und Obdachlosigkeit auf, die die Vorgängerregierung Ende vergangenen Jahres vorgestellt hatte. Die von Burnham angekündigten Mittel kommen zu den dafür vorgesehenen 3,5 Milliarden Pfund, verteilt auf drei Jahre, hinzu.
In ganz England sollen der Ankündigung Burnhams zufolge neue Unterkünfte und Unterstützungsangebote bereitgestellt werden. Dabei stütze man sich auf bewährte Ansätze aus der Coronapandemie, als spezielle Schutzangebote für obdachlose Menschen entwickelt worden waren. Die genaue Ausgestaltung der Angebote wird lokalen Akteuren überlassen.
Burnham kündigte aber an, dass es neben einem Angebot an Notunterkünften auch um weitergehende Unterstützung zu Themen wie Wohnen, Gesundheit und dem Aufbau einer stabilen Zukunft gehen soll. Ein besonderer Fokus soll auf dem Schutz von Frauen unter den Betroffenen liegen, auch in Hinblick auf eine traumasensible Betreuung für Opfer häuslicher und sexueller Gewalt.
Ein erster nationaler Gipfel zum Thema soll im Herbst Menschen aus verschiedenen Bereichen zusammenbringen, deren Engagement zum Erreichen der Ziele gebraucht wird: etwa aus der Wirtschaft, dem Finanzwesen, Wohltätigkeitsorganisationen, Gesundheitswesen und Glaubensgemeinschaften.
Burnham erklärte, er wolle nicht akzeptieren, dass das Schlafen auf der Straße oder an Bahnhöfen als Normalität hingenommen werde. „Wir haben es während der Pandemie geschafft. Wir können es wieder schaffen. Aber dafür sind wir alle gefragt“, appellierte er an die Verantwortlichen in den Gemeinden und in Bereichen der Gesellschaft, die vor Ort ihren Beitrag leisten müssten.
Er wolle auch nicht so tun, als ob es sich bei der Initiative um eine dauerhafte Lösung handle. „Es reicht nicht aus, Menschen erst dann zu helfen, wenn sie in Not geraten sind“, schreibt er in einem Beitrag im Guardian. Es gelte, Menschen aufzufangen, lange bevor sie auf der Straße landeten. Er berief sich etwa auf geplante Reformen im Bildungswesen, Bemühungen für mehr Wirtschaftswachstum und ein Wohnungsbauprogramm.
Eine Ausweitung des Engagements gegen Obdachlosigkeit war eines der ersten Versprechen, das Burnham nach der Amtsübernahme vor rund einem Monat geäußert hatte. Der Labour-Politiker hatte sich bereits zu seiner Zeit als Bürgermeister von von Greater Manchester für das Thema stark gemacht und dabei anfänglich Erfolge erzielt. Allerdings habe Obdachlosigkeit dort in den vergangenen Jahren wieder zugenommen, nachdem der Fokus auf andere Themen gerichtet wurde, berichtete der Guardian.
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