Medizin

Olanzapin: FDA warnt vor seltenem DRESS-Syndrom

  • Donnerstag, 12. Mai 2016

Silver Spring – Unter der Behandlung mit dem atypischen Neuroleptikum Olanzapin kann es – vermutlich in sehr seltenen Fällen – zu einem DRESS-Syndrom kommen, einer schweren Medikamentenallergie, die ein sofortiges Absetzen des Medikaments erforderlich macht. Dies teilt die US-Arzneibehörde FDA in einer Drug Safety Communication mit.

Das DRESS-Syndrom – das Akronym steht für „Drug Reaction with Eosinophilia and Systemic Symptoms“ – ist eine schwere Arzneimittelreaktion, die bei bis zu 10 Prozent der Patienten tödlich endet. Die Symptome, zu denen Fieber, ein Hautausschlag und geschwollene Lymphknoten gehören, führen häufig zur Verdachtsdiagnose einer Infektion, zu der allerdings die ausgeprägte Eosinophilie nicht passt, die ein wichtiges Kennzeichen des DRESS-Syndroms ist. Die allergische Reaktion, deren genaue Pathogenese nicht bekannt ist, greift auch innere Organe an. Im Rahmen des DRESS-Syndroms kann es zu Hepatitis, Myokarditis, Perikarditis, Nephritis, Pankreatitis oder Pneumonie kommen.

Der Zusammenhang mit einem Medikament wird oft erst spät hergestellt, da das DRESS-Syndrom meist mit einer Verzögerung von mehreren Wochen nach Beginn der Therapie einsetzt. Bei den 23 Fällen, die dem FDA Adverse Event Reporting System (FAERS) seit Einführung von Olanzapin im Jahr 1996 gemeldet wurden, traten die ersten Symptome im Mittel 19 Tage nach der ersten Einnahme des Medikaments auf, und es vergingen im Mittel zwei Monate, bis das Medikament abgesetzt wurde, was beim DRESS-Syndrom die einzig richtige Maßnahme ist.

Die Komplikation, die eine allergische Genese hat, kann bei jeder Dosierung auftreten. Im Mittel hatten die Patienten 20 mg/die Olanzapin erhalten, es gab aber auch Fälle, in denen eine Dosis von 5 mg/die das DRESS-Syndrom auslöste. Bei einem Patienten kam die Diagnose zu spät. Er starb an Herzversagen, wie die Autopsie ergab. Ein Zusammenhang mit Olanzapin konnte jedoch nicht restlos geklärt werden, da der Patient noch mit weiteren Medikamenten behandelt worden war.

Von den 22 Patienten mit nicht-tödlichem Verlauf mussten 18 in der Klinik behandelt werden. Bei einem kam es nach der Wiederaufnahme der Behandlung zum einem erneuten Auftreten des DRESS-Syndroms. Neun Patienten erholten sich nach dem Absetzen des Medikaments. Bei sechs Patienten wurde das DRESS-Syndrom durch Tests bestätigt. Dazu gehörten Lymphozytenstimulationstest, ein Hauttest (Patch-Test), ein Lymphozytentransformationstest oder andere Allergietests. Bei den Tests kann es laut FDA zu einer Kreuzreaktion mit anderen Medikamenten kommen, für die ein DRESS-Syndrom bekannt ist.

Die geringe Zahl der Erkrankungen kann täuschen, da es sich beim FAERS um Spontanmeldungen interessierter Ärzte handelt. Eine spezifische Behandlung für das DRESS-Syndrom gibt es nicht. Die wichtigste Maßnahme besteht im sofortigen Absetzen des Medikaments. Bei einem ausgedehnten Organbefall sollte eine systemische Behandlung  mit Kortikosteroiden erwogen werden, rät die FDA.

rme

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