Medizin

Parkinson könnte von intestinalen Drüsenzellen ausgehen

  • Montag, 3. Juli 2017

Durham – Die Ansammlung von fehlgefaltetem α-Synuclein in endokrinen Zellen des Darms könnte der Ausgangspunkt für ein Parkinson-Syndrom sein. Dies vermuten Forscher der Duke University, die zusammen mit Arbeitsgruppenleiter Rodger Liddle im Journal of Clinical Investigation Insight über Belege für diese Hypothese berichten (doi: 10.1172/jci.insight.92295).

Die These, das Parkinson vom Darm ausgehen könnte, wurde durch die Beobachtung befeuert, dass Patienten, die sich einer Vagotomie unterziehen, seltener an Parkinson erkranken. Eine Vagotomie ist eine mittlerweile obsolete Operation, bei welcher der Nervus Vagus durchtrennt wird, um die Säureproduktion bei Magengeschwüren zu unterdrücken.

Schwedische Forscher konnten in einer aktuellen Studie die Korrelation zwischen Vagotomie und erniedrigtem Parkinsonrisiko in einer großen Kohortenstudie mit mehr als 9.000 Teilnehmern bestätigen (doi: 10. 1212/ WNL. 0000000000003961). Der Grund für diesen Zusammenhang ist noch nicht klar. Möglicherweise könnten Toxine oder die bakterielle Flora über einen retrograden vagalen Transport Einfluss auf das Gehirn nehmen. Interessanterweise haben Parkinson-Patienten oft Jahre vor der Diagnose mit Verstopfung zu kämpfen.

Aus Vorstudien wussten die Forscher, dass bei Morbus Parkinson in der intestinalen und der Magenwand fehlgefaltetes α-Synculein nachweisbar ist. Ablagerungen dieses Proteins bilden sich auch im Gehirn bei Morbus Parkinson oder bestimmten Demenzen. Sie sind auch in den sogenannten Lewy-Bodies nachweisbar, die ein typisches histopathologisches Korrelat dieser Erkrankungen sind. Sie befördern vermutlich das Absterben der dopaminergen Nervenzellen. Ob jedoch das defekte α-Synuclein in der Darmwand entsteht oder über den Nervus Vagus vom Gehirn dorthin transportiert wird, ist unklar.

Die Forscher stellten bei der Gewebeuntersuchung von Mäuse- und Menschendärmen fest, dass die endokrinen Zellen des Intestinums das α-Synuclein beinhalteten. Interessanterweise standen diese endokrinen Zellen in Kontakt mit Neuronen, die ebenfalls das Protein enthielten. Wenn das Protein in den Drüsenzellen beispielsweise durch Toxine seine Faltung verändert, könnte sich dies auch auf das α-Synuclein in den versorgenden Nervenzellen übertragen, so die Schlussfolgerung der Forscher.

Die Forscher vermuten, dass die fehlgefalteten Varianten von α-Synuclein über retrograden Transport ins Gehirn gelangen können. Dort könnten sie dann wie Prionen eine Kettenreaktion anstoßen, die zur Bildung der toxischen Ablagerung führt.

hil

Diskutieren Sie mit:

Diskutieren Sie mit

Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.

Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.

Es gibt noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Newsletter-Anmeldung

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes.

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterherzurennen: Newsletter Tagesaktuelle Nachrichten

Zur Anmeldung