PET und Bluttest erkennen Alzheimer

Philadelphia – Die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) könnte der erste offiziell zugelassene nichtinvasive Test zur prämortalen Diagnose des Morbus Alzheimer werden.
Eine Gutachtertagung der US-Zulassungsbehörde FDA berät am Donnerstag über das Verfahren, das sich in der jüngsten Studie im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2011; 305: 261-266) als zuverlässig erwiesen hat. Die Möglichkeiten eines Serumtests sind dagegen begrenzt, wie eine weitere Studie zeigt.
Die Plaques, die für den Untergang von Nervenzellen beim Morbus Alzheimer verantwortlich sind, lassen sich mit Florbetapir F18 markieren. Diesen PET-Radiotracer hat die Firma Avid Radiopharmaceuticals zur nichtinvasiven Diagnose des Morbus Alzheimer entwickelt. Die bisherigen Tests verliefen so vielversprechend, dass der Pharmagigant Eli Lilly die kleine Firma im November für 800 Mio. US-Dollar erwarb.
Eli Lilly hat in den USA die Zulassung beantragt und am Donnerstag werden Gutachter ihr Votum abgeben. Die Chancen für eine Empfehlung werden hoch eingeschätzt, da der Florbetapir F18-PET die Krankheit offenbar zuverlässig diagnostiziert, wie die jüngste Studie von Christopher Clark und Mitarbeitern von Avid Radiopharmaceuticals zeigt:
35 Hospiz-Bewohner mit einer geschätzten Lebenserwartung von weniger als 6 Monaten hatten sich bereit erklärt, ihr Gehirn nach dem Tod histologisch untersuchen zu lassen. An den ersten sechs Patienten wurde ein Untersuchungsprotokoll für die PET erarbeitet, das dann an den 29 anderen Patienten validiert wurde.
Bei insgesamt 15 der 29 Patienten wurde nach dem Tod durch eine histologische Untersuchung der Gehirns die Diagnose eines Morbus Alzheimers gestellt. Die PET, die im Durchschnitt 99 Tage vor dem Tod der Patienten durchgeführt wurde, stimmte in 28 von 29 Fällen mit der postmortalen Diagnose überein.
Mehr noch: Die PET hatte auch die Menge und die Ausbreitung der Plaques im Gehirn relativ gut vorhergesagt. Der Test ermöglicht mithin nicht nur eine Diagnose, er kann auch den Schweregrad objektivieren. Zur Kontrolle wurden 74 gesunde junge Menschen untersucht. Bei ihnen wurden, wie erwartet, keine PET-Signale auf Amyloid-Ablagerungen gefunden.
Der PET-Test wird damit erstmals vor dem Tod eine nichtinvasive Diagnose des Morbus Alzheimer ermöglichen. Aufwand und Kosten der Untersuchung sind allerdings recht hoch und ob er sich angesichts der bisher bescheidenen Ergebnisse in der Demenztherapie in der klinischen Praxis durchsetzen wird, ist eine andere Frage. Ganz sicher wird er aber in Medikamentenstudien zum Einsatz kommen.
Ein Bluttest zur Diagnose des Morbus Alzheimer ist dagegen vorerst nicht in Sicht. Der Nachweis von Beta-Amyloid 42 und dem 42/40-Quotienten lässt allerdings gewisse Aussagen über das Erkrankungsrisiko zu, wie Kristine Yaffe von der Universität in San Francisco an der Health ABC Studie zeigen können (JAMA 2011; 305: 261-266).
Die prospektive Beobachtungsstudie begleitet seit 1997/8 eine Gruppe von 997 Senioren der Altersgruppe 70-79. Ein niedriger Wert des 42/40-Quotienten (nicht aber die Gesamtkonzentration von Beta-Amyloid 42) war jetzt mit einem rascheren Rückgang der kognitiven Leistungen in den bisher neun Jahren der Nachbeobachtung assoziiert.
Der Zusammenhang war besonders deutlich bei Patienten mit niedrigem Schulabschluss oder schlechten Ergebnissen in einem Lesetest. Dass Menschen mit einer solchen „niedrigen kognitiven Reserve“ früher an einer Demenz erkranken, ist bereits früher aufgefallen.
Das Phänomen wird allerdings dahingehend gedeutet, dass Menschen mit höherer Bildung die Früherscheinungen der Erkrankungen länger überspielen können. Dass Bildung das Fortschreiten der Alzheimerdemenz bremsen kann, erscheint angesichts der Pathogenese der Erkrankung mehr als unwahrscheinlich.
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