„PJ-Studierende haben keine Zeit für Nebenjobs“
Köln - Rund 500 Medizinstudierende haben in der letzen Woche in der Kölner Uniklinik für höhere Aufwandsentschädigungen und bessere Lehre im praktischen Jahr (PJ) demonstriert.

5 Fragen an Jan-Michael Werner, Vorsitzenden der Fachschaft Medizin in Köln
DÄ: 500 Medizinstudierende einer Fakultät zum Protest vereinigt – das ist eine hohe Zahl. Was ist ihr Anliegen?
Werner: Wir treten dafür ein, dass PJler in Köln als Aufwandsentschädigung den Höchstsatz von 597 Euro pro Monat erhalten. Außerdem geht es darum, dass der Studientag im PJ als freier Tag zum Lernen nicht unter den Tisch fällt und die Lehre im PJ insgesamt besser wird. Dafür haben wir demonstriert – übrigens ohne die Abläufe in der Klinik zu stören und die Patientenversorgung zu beeinträchtigen, das war uns ganz wichtig.
DÄ: Beginnen wir beim Geld – wieso verlangen sie 597 Euro?
Werner: Die krumme Zahl „597“ ergibt sich aus dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG, Paragraf 13) und ist der geltende Höchstsatz für die PJ-Aufwandsentschädigung. Wir fordern sie einheitlich für alle PJler in Köln ganz einfach deshalb, weil es sehr teuer ist, als Studierender in Köln zu leben. Das ist nicht unsere Privatmeinung, sondern das hat die aktuelle Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes gezeigt: Danach kostet allein die Miete in Köln für Studierende durchschnittlich 359 Euro. Die Uniklinik und die Lehrkrankenhäuser wollen jetzt einheitlich 300 Euro Aufwandsentschädigung zahlen. Das ist für Köln zu wenig. Unsere Nachbarn in Düsseldorf bekommen zum Beispiel den Höchstsatz.

DÄ: Aber es geht nicht nur um die Aufwandsentschädigung…
Werner: Nein, besonders wichtig ist uns die Lehre im PJ. Eine Evaluation der PJ-Tertiale für Köln durch unser Studiendekanat hat zum Teil Mängel an den Tag gebracht. Zum Beispiel, dass PJler hier und dort nur Hilfsdienste verrichten, bei denen sie nicht viel lernen. Andernorts fühlen sich die Studierenden aber auch überfordert und bräuchten eine bessere Betreuung. Von großer Bedeutung sind auch Fortbildungsveranstaltungen für PJler.
DÄ: Was ist das Problem bei dem Studientag?
Werner: Wir fordern, dass wir ihn wirklich nehmen können und er nicht unter den Tisch fällt. Einige Kliniken sagen zum Beispiel: „Kein Studientag, geht dafür einfach jeden Tag 90 Minuten früher nach Hause.“ Aber erstens funktioniert das im Alltag auf Station nicht und außerdem würden wir dann regelmäßig alle wichtigen Besprechungen, Lehrangebote und anderes am späteren Nachmittag verpassen. Wir brauchen also einen freien Tag zum Lernen oder zumindest die freie Wahl einen Studientag nehmen zu dürfen.

DÄ: Wie geht es nach ihrer Protestaktion jetzt weiter?
Werner: Wir hoffen natürlich, dass unsere Anliegen gehört und umgesetzt werden. Es war vielleicht nicht allen klar, dass PJler in der Klinik so viel arbeiten, dass sie nicht nebenher noch Geld verdienen können. Es würde auch Patienten gefährden, wenn PJler übermüdet sind, weil sie zusätzliche Nachtdienste leisten oder abends kellnern gehen. Außerdem würden wir uns über ähnliche Aktionen von Studierenden an anderen Uniklinika freuen, dort sieht es sicher ähnlich aus. Optimal wäre natürlich eine bundesweit einheitliche Regelung mit BaföG-Höchstsatz wie es schon der Deutsche Ärztetag gefordert hat.
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