Prävention für besseres Gesundheitssystem: Bündnis ruft Politik zum Handeln auf

Berlin – Eine deutlichere Ausrichtung der Gesundheitspolitik auf die Prävention von Krankheiten in einer alternden Gesellschaft mahnt der Runde Tisch der Frauen im Gesundheitswesen in einem aktuellen Positionspapier an.
Der Zusammenschluss von zwölf Verbänden sieht es als wichtigen Schritt an, in der Ausrichtung von nationaler und internationaler Gesundheitspolitik an dem Leitfaden „von Sick-Care-to-Health-Care“ auszurichten. Nur so könne den Herausforderungen des demografischen Wandels mit hoher Krankheitslast durch zivilisatorische Krankheiten begegnet werden.
Das Bündnis ruft die deutsche Gesundheitspolitik dabei zum deutlich zügigeren und intensiveren Handeln auf. „Gesundheit wird als Kostenfaktor und nicht als Investition in Zukunftsfähigkeit verhandelt. Ihre soziale, ökonomische und politische Bedeutung wird verdrängt", beklagte Ilona Kickbusch, Gründerin des Global Health Centre beim Graduate Institute in Genf, bei ihrer Rede anlässlich eines parlamentarischen Abends des Runden Tisches gestern in Berlin.
Es sei ihr unverständlich, warum die „Herausforderungen in der Gesundheit nicht ähnlich deutlich dargestellt wird, wie die drohenden Veränderungen durch das Klima", so Kickbusch. Trotz der 1.600 täglich in Deutschland diagnostizierten Neuerkrankungen von Diabetes Typ-2 entstehe kein Druck im politischen System, grundsätzliche Änderungen anzugehen.
„Warum kommt bei diesem Thema nichts aus dem Bundesgesundheitsministerium, dass dieser Zustand als nicht aushaltbar beschrieben wird", fragte Kickbusch. In ihrer Analyse machte sie deutlich, dass die Konsequenz der vielen an sich vermeidbaren Krankheitsfälle für das wirtschaftliche, aber auch gesellschaftspolitische System weiterhin nicht verstanden werden würden.
„Gleichzeitig gibt es einen florierenden Pharmamarkt bei Diabetes-Medikamenten und einen florierenden Markt der Nahrungsmittel mit Zucker“, so Kickbusch weiter. „Wer hier etwas hin zu einem gesunden Lebensstil verändern will, wird zum Feindbild wegen Bevormundung erklärt.“
Das von der Bundesregierung geplante „Gute-Herz-Gesetz" sei „in der Konstruktion nicht zielführend", erklären die zwölf Verbände in einer Erklärung. Vielmehr müsse die Primärprävention besser berücksichtigt werden. Daher fordern die Verbände in ihrem Positionspapier, „Prävention als eigenständige Säule der Gesundheitspolitik stärker zu etablieren“.
Neben der Berücksichtigung von Prävention in allen politischen Bereichen sowie der Verhältnis- und Verhaltensprävention solle auch die Eigenverantwortung gestärkt werden. Damit gehe die Stärkung der Gesundheitskompetenz einher, die auch von politischer Seite gefördert werden solle.
Um eine Transformation im Gesundheitswesen anzugehen, müsse – so die zwölf Verbände – auch die Führungsebenen der Bundesbehörden im Gesundheitswesen betrachtet werden. „Innerhalb der letzten Monate wurden wichtige Positionen in Bundesbehörden ausschließlich an Männer vergeben“, erklärten die Verbände.
Dazu zählen das Robert-Koch-Institut sowie das geplante Bundesinstitut für Prävention und Aufklärung in der Medizin (BIPAM), das derzeit einen Gründungsdirektor hat.
Der Runde Tisch der Frauen im Gesundheitswesen fordert eine paritätische Besetzung von Führungspositionen. Die Leitung der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) wurde Anfang Mai paritätisch besetzt, die neue Leitung der Digitalagentur gematik hat eine Frau und zwei Männer in der Leitung.
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