Prognosis: Erste Ergebnisse aus dem deutschen Bronchiektasen-Register

Hannover – Das deutsche Bronchiektasen-Register PROGNOSIS sammelt seit Juni 2015 Daten von Patienten mit Bronchiektasen, bei denen eine ursächliche zystische Fibrose (CF) ausgeschlossen wurde. Denn für Non-CF-Bronchiektasen liegen kaum evidenzbasierte Empfehlungen vor. Auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie wurden erste Ergebnisse aus dem Register von mehr als 500 validierten Fällen vorgestellt.
Bei den beobachteten Patienten haben sich die Bronchien ausgeweitet und sind parallel von einem bakteriellen Infekt der Bronchialwand betroffen. Die Folge ist ein chronischer Husten mit Auswurf. Behandelt wird je nach Ausprägung operativ oder konservativ mit Medikamenten und physikalischen Maßnahmen.
Im ersten Jahr konnten die Forscher der Prognosis Study Group um Felix C. Ringshausen und Jessica Rademacher von der Medizinische Hochschule Hannover sowie Andrés de Roux von der Pneumologischen Praxis am Schloss Charlottenburg, Berlin 780 Patienten an 36 Zentren rekrutieren. Etwa ein Drittel der ausgewerteten Patientendaten ist auf Universitätskliniken (UK) zurückzuführen. Etwa ein Fünftel (98) der Patienten inhalierte mit einem Antibiotikum, dabei sind die häufigsten Präparate Colistin, Gentamicin und Tobramycin.
Wie häufig andere Bronchiektasentherapien zum Einsatz kommen, wurde im Kongress-Abstract für eine Teilgruppe, die hauptsächlich aus UK-Patienten bestand, bereits ausgewertet. In dieser Gruppe erhielten etwa 90 Prozent der Patienten eine regelmäßige Bronchiektasentherapie. Am häufigsten erhielten die Patienten eine Atemtherapie (78 Prozent), gefolgt von 70 Prozent, die ein kurz wirksames Anticholinergikum (SAMA) oder einen kurz wirksamen Beta-2-Agonisten einnahmen. Ergebnisse für die große Studiengruppe sollen noch in diesem Jahr publiziert werden.
Allen Patienten mit Bronchiektasen wird eine jährliche Grippeschutzimpfung und ein Impfschutz gegen Pneumokokken empfohlen. „Die im Register gesammelten Daten zeigen deutlich, dass die Impfraten zu niedrig waren“, erläutert Rademacher. Nur 54 Prozent der Patienten ließen sich gegen Grippe impfen, 34 Prozent mit Pneumovax 23 und 26 Prozent mit Prevenar 13 gegen Pneumokokken. Weniger als die Hälfte der Patienten hatte jemals eine pneumologische Rehabilitation.
„Das Interesse vor allem der niedergelassenen Kollegen ist sehr groß, was den ‚medical need‘ des Registers deutlich zeigt“, sagt Rademacher dem Deutschen Ärzteblatt. Bislang gibt es keine zugelassene Therapie für diese Erkrankung. Bei der ersten Auswertung stellte sich zudem heraus, dass einzelne Parameter stark von der Versorgungsstufe abhängig waren. „Ob ein Patient an einer Universitätsklinik, Fachklinik oder in einer Praxis behandelt wurde, war entscheidend in Bezug auf Ätiologie, Mikrobiologie, Therapie“, ergänzt Rademacher. Die Exazerbationsrate war mit 1 im Durchschnitt niedriger als erwartet, teilt Rademacher mit.

Ziel des Patientenregisters ist es, deutschlandweit repräsentative, prospektive Daten zu Bronchiektasen zu erhalten. Die Datenbank soll innerhalb von drei Jahren über 1.000 erwachsene Patienten von mehr als 35 Zentren sektorenübergreifend, also von pneumologischen Praxen bis hin zu Universitätskliniken, rekrutieren. Zu allen Patienten sind drei Follow-up-Untersuchungen geplant, die auch nicht universitäre Zentren auswerten.
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