Prozess wegen versuchten Mordes: Altenpfleger gesteht Taten

Frankfurt am Main – Ein Altenpfleger soll demenzkranken Menschen Insulin gespritzt haben, sodass sie in einen lebensgefährlichen Zustand gerieten. Beim Prozessauftakt im Frankfurter Landgericht wegen versuchten Mordes gestand der Angeklagte seine Taten.
Er habe damit auf Missstände in dem Seniorenheim aufmerksam machen wollen, las sein Rechtsanwalt eine vorbereitete Erklärung vor. Der 39-Jährige habe niemandem schaden oder gar töten wollen und übernehme die volle Verantwortung für sein Handeln. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Deutschen zweifachen versuchten Mord und sechsfache gefährliche Körperverletzung vor.
Der Mann hatte im Jahr 2010 seine Ausbildung zum staatlich anerkannten Altenpfleger abgeschlossen und in den Folgejahren für mehrere Altenheime im Rhein-Main-Gebiet gearbeitet.
Im September 2023 begann er seine Arbeit in einem Seniorenheim in Bad Vilbel (Wetteraukreis). Dort war er der Leiter des Wohnbereichs für an Demenz erkrankte Menschen, laut seiner Auskunft lebten 22 Personen auf dieser Station. Betreut worden seien diese von insgesamt zehn Mitarbeitern.
Der Angeklagte habe gehofft, dass im Krankenhaus etwa Ärzten der schlechte Zustand der alten Menschen auffallen und diese dann Druck auf das Heim ausüben würden, hieß es in der vom Rechtsanwalt verlesenen Erklärung. Er habe sich immer mehr überfordert gefühlt.
Es sei zu viel Arbeit für zu wenig Personal gewesen, die Patienten seien seiner Meinung nach nicht ausreichend versorgt worden. Er habe sich „rund um die Uhr Gedanken über die Bewohner gemacht“. Schließlich sei er auf die Idee gekommen, Insulin zu spritzen.
Der Anklage zufolge waren fünf Patienten betroffen, laut einer früheren Mitteilung der Staatsanwaltschaft waren sie sämtlich über 80 Jahre alt. Sie alle sollen nicht an Diabetes gelitten haben, sodass die Insulingabe bei ihnen zu einem Abfallen des Blutzuckers führte und sie in einen teils lebensbedrohlichen Zustand gerieten. Zum ersten Mal soll der Angeklagte am 23. Juli 2025 verabreicht haben, insgesamt soll es sich bis zum 19. September 2025 um sechs Taten gehandelt haben.
In vier der Fälle soll der Mann nach der Gabe von Insulin selbst den Notruf gewählt haben, daher wirft ihm die Staatsanwaltschaft in diesen Fällen gefährliche Körperverletzung vor.
In zwei weiteren Fällen, in denen er das nicht tat, steht neben der gefährlichen Körperverletzung auch der Vorwurf des versuchten Mordes im Raum. Die Anklagebehörde wirft ihm vor, er habe die Arg- und Wehrlosigkeit der betroffenen Patienten ausgenutzt.
Am 20. September, einen Tag nach der letzten mutmaßlichen Tat, wurde er festgenommen. Seitdem befindet sich der Mann in Untersuchungshaft. Nach der bisherigen Planung könnte im Dezember das Urteil fallen.
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