Psychische Erkrankungen im Leistungssport enttabuisieren

Berlin – Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen passen nicht in das Bild des souveränen und leistungsorientierten Athleten. Entsprechend hoch ist für Betroffene die Hürde, sich professionelle Hilfe zu holen. Ein Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) wirbt für gezielte Information, Forschung sowie eine spezialisierte Versorgung von psychischen Erkrankungen im Leistungssport.
Während das medizinische System auf körperliche Verletzungen und Krankheiten im Leistungssport bestens vorbereitet ist, sucht man laut DGPPN entsprechende Angebote rund um psychische Erkrankungen meist vergeblich. Die sportpsychologische Unterstützung zielt in erster Linie auf die Leistungsoptimierung ab.
„Gerade bei Leistungssportlern ist die Diagnostik, Betreuung und Therapie von psychischen Erkrankungen dringend verbesserungsdürftig. Dafür gibt es evidenzbasierte Wege“, verweist DGPPN-Vorstandsmitglied Frank Schneider. Denn Profisportler stünden oft unter enormen Leistungsdruck, auch in wirtschaftlicher Hinsicht. So zögen sportliche Niederlagen oftmals existenzielle Ängste nach. Gleichzeitig begännen Sportler immer früher mit dem intensiven und systematischen Training – in einem Alter, in dem sie besonders anfällig für psychische Störungen sind.
Vor diesen Hintergrund will die DGPPN sich enger mit Sportmedizinern, Sportpsychologen, Vereinen und Verbänden vernetzen und gemeinsam mit den acht sportpsychiatrischen Ambulanzen der Universitätskliniken die Öffentlichkeit gezielt über spezialisierte Behandlungsangebote informieren. „Gleichzeitig gilt es, die Prävention und individuelle therapeutische Versorgung von Leistungssportlern zu optimieren“, unterstreicht Schneider.
Dazu müsste auch die wissenschaftliche Datenbasis verbessert und spezielle Weiterbildungsformate für die sportpsychiatrische Expertise entwickelt werden.
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