Psychotherapeuten demonstrieren für mehr Honorargerechtigkeit

Düsseldorf – Mehr als 100 Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten haben heute bei der Vertreterversammlung (VV) der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Düsseldorf Rückendeckung für ihre Forderungen nach mehr Honorargerechtigkeit gefordert. Sie bemängelten, dass die Psychotherapiehonorare sich seit Jahren am untersten Ende der Einkommensskala der Niedergelassenen befänden. „Daher müssen psychotherapeutisch tätige Behandler seit 15 Jahren gegen jeden Honorarbescheid Widerspruch einlegen und langjährig auf Entscheidungen des Bundessozialgerichts in Musterprozessen warten, um dann wieder auf eine Umsetzung des Entscheides in der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung zu warten“, heißt es in einer Presseerklärung der Landesgruppe Nordrhein der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV).
Eine Anpassung der psychotherapeutischen Honorare an gestiegene Honorare in vergleichbaren Facharztgruppen habe in den letzten sechs Jahren nicht stattgefunden, hieß es. Die Leistungen müssten aber zukünftig so vergütet werden, dass Fachärzte und Psychotherapeuten bei gleichem Arbeitseinsatz ein vergleichbares Honorar erzielten könnten.
Dem Appell schlossen sich Mitglieder des Berufsverbands der Kinder - und Jugendlichenpsychotherapeuten NRW, der Vereinigung der analytischen Kinder - und Jugendlichenpsychotherapeuten NRW und des Berufsverbands der Vertragspsychotherapeuten Nordrhein an. Sie empfingen die Delegierten und zahlreichen Gäste der öffentlichen KBV-Vertreterversammlung mit Transparenten und gelben T-Shirts, auf denen Slogans prangten wie „Rückt die Honorare gerade!“. Zu dem Protest angereist waren nach Angaben der DPtV Psychotherapeuten aus dem ganzen Bundesgebiet.
„Die Kollegenschaft erwartet, dass die neue Verhandlungssituation auch tatsächlich genutzt wird“, erklärte einer der Organisatoren, Andreas Pichler, Mitglied des DPtV-Landesvorstands Nordrhein, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Seit Anfang 2013 werden wesentliche Leistungen wie genehmigungspflichtige Psychotherapie und probatorische Sitzungen extrabudgetär vergütet. Damit führt eine Steigerung der Honorare für Psychotherapie nicht mehr zu einer Kürzung der übrigen fachärztlichen Honorare. Vom KBV-Vorstand erwartete Pichler vor Beginn der Vertreterversammlung Verständnis und Unterstützung. „Wir stärken dem Vorstand einerseits den Rücken, sitzen ihm aber gleichzeitig im Nacken“, erläuterte er.
Der KBV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen ging dann auch in seiner Rede auf die protestierenden Psychotherapeuten ein. Er empfinde die Aktion als gegen die Krankenkassen gerichtet, erklärte Gassen, und ergänzte „Wir unterstützen Ihre Forderungen nach Honorargerechtigkeit in vollem Umfang.“
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: