Radiologen erwarten von neuem Verfahren bessere Einblicke in die Lunge
Berlin – Auf eine neue Technologie namens „Phasenkontrast-Bildgebung“ weist die Deutsche Röntgengesellschaft hin. „Ein erstes Einsatzszenario könnte die Darstellung der Lunge bei Patienten mit unterschiedlichen Lungenerkrankungen sein. Selbst pathologische Veränderungen in den kleinen Lungenbläschen, eine Terra Incognita für die traditionelle Röntgentechnologie, lassen sich damit darstellen“, berichtete die Fachgesellschaft.
Röntgenologische Untersuchungen arbeiten bekanntlich bisher praktisch immer nach dem gleichen Grundprinzip: Röntgenstrahlen werden von unterschiedlichen Geweben unterschiedlich stark absorbiert. „Schwierig darzustellen sind zum einen sehr feine Strukturen, zum anderen Strukturen mit sehr ähnlicher Röntgendichte“, erläuterte Franz Pfeiffer von der Technischen Universität München.
Bildgebung will Lücke schließen
Diese Lücke soll die Phasenkontrast-Bildgebung schließen. Sie arbeitet auch mit Röntgenstrahlen, ihr liegt aber eine völlig andere Methode der Bilderzeugung zugrunde. Hintergrund ist, dass die Wellen an Grenzflächen optisch gebrochen werden, ähnlich wie Lichtwellen bei einem Prisma. Sie können die Richtung ändern und miteinander interferieren. „All diese Eigenschaften der Röntgenstrahlung wurden in der klinisch-medizinischen Bildgebung bisher überhaupt nicht genutzt“, so Pfeiffer.
Einen Nutzen erhoffen sich die Münchener in einem ersten Schritt von der Darstellung der Lunge. Hier kann die traditionelle Röntgenbildgebung zwar größere Tumore gut darstellen. Veränderungen der Feinstruktur der Lunge sind für Röntgen- und CT-Untersuchungen bisher aber weitgehend nicht darstellbar. „Mit der Phasenkontrast-Bildgebung können wir dagegen bis auf die Ebene der Lungenbläschen hinabblicken“, betonte Pfeiffer. Zum Beispiel ließen sich pathologische Veränderungen der Lungenbläschen bei chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung schon in einem sehr frühen Stadium darstellen. Auch Verwachsungen des Lungengewebes, wie sie bei einer Lungenfibrose oder auch nach einer Strahlentherapie auftreten könnten, seien sehr gut erkennbar.
Technisch soll das neue Verfahren mittels eines Gitters arbeiten, das auf normale CT-Geräte aufgesetzt werden soll. Es wären also keine eigenen Geräte nötig. „Wir brauchen Gitterstreben, die ungefähr zehn Mikrometer breit und bis zu 300 Mikrometer hoch sind, ähnlich wie Kartondeckel, die auf der dünnen Seite eng nebeneinander stehen. Solche Gitter sind nicht leicht zu produzieren“, erläuterte Pfeiffer. Zahlreiche große Hersteller von Medizingeräten arbeiteten an entsprechenden Lösungen. Die Phasenkontrast-Bildgebung steht daher laut der Fachgesellschaft „in den Startlöchern für den klinischen Einsatz.“
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