Vermischtes

Register erfasst virale Atemwegserkrankungen bei Krebspatienten

  • Donnerstag, 16. Juli 2020
/Rido, stock.adobe.com
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Berlin – Virale Atemwegsinfekte wie COVID-19, aber auch Influenza oder simple Erkäl­tungen können für Krebspatienten besonders bedrohlich werden. Darüber, wie oft solche Erkrankungen in dieser Gruppe auftreten, wie sie verlaufen und behandelt werden, gibt es bisher kaum Daten.

Um das zu ändern, haben Wissenschaftler aus Jena, Heidelberg und Mainz jetzt das Re­gis­ter OncoReVir gestartet. Es soll dabei helfen, Risikofaktoren und Krankheitsverläufe bess­er zu verstehen und die Therapie solcher Virusinfektionen bei Krebspatienten zu ver­bess­ern, wie die Deutsche Krebshilfe mitteilt. Die Organisation unterstützt das Projekt mit 200.000 Euro.

Aus Beobachtungen von Onkologen und Hämatologen ist bekannt, dass Infektionen mit respiratorischen Viren (CARV) bei Krebspatienten meist dann tödlich verlaufen können, wenn sie die unteren Atemwege und vor allem die Lunge betreffen. Anhaltspunkte zu den Verläufen stammten bisher aber im Wesentlichen von Patienten mit Blutkrebs, die Stamm­zellentransplantationen erhalten, berichtet Studienleiterin Marie von Lilienfeld-Toal vom Universitätsklinikum Jena.

„Über CARV-Infektionen bei Patienten mit anderen Krebsarten wissen wir hingegen nur wenig“, wird sie in einer Mitteilung der Deutschen Krebshilfe zitiert. In der Folge würden virusbedingte Atemwegsinfekte bei Krebspatienten nicht einheitlich behandelt.

Das neue Register OncoReVir soll künftig ein strukturierteres Vorgehen ermöglichen. Zum Start werden dafür die Daten von etwa 2.000 Krebspatienten durch drei Arbeitsgruppen der Universitätskliniken Jena, Heidelberg und Mainz erhoben und ausgewertet.

Deutschlandweit nehmen neun Kliniken an dem Projekt teil. Dabei soll unter anderem ermittelt werden, welche Patienten ein besonders hohes Risiko für schwere Verläufe haben, welche Viren besonders häufig bei Krebspatienten vorkommen und ob sich die Infektionen durch spezifische Maßnahmen verhindern lassen.

„Mit den Erkenntnissen wollen wir die Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von respiratorischen Virusinfektionen bei Krebspatienten überarbeiten und damit unsere Kollegen im Behandlungsalltag unterstützen“, so Lilienfeld-Toal.

alir

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