Rettungsassistenten sollten EKG lesen können

Winnipeg – Wenn Sanitäter am Notfallort ein EKG richtig interpretieren können, läuft die Behandlung eines Herzinfarktes signifikant besser und effektiver. Das berichten Wissenschaftler der University of Manitoba im kanadischen Winnipeg unter der Leitung von Robert Ducas im Canadian Journal of Cardiology (doi: 10.1016/j.cjca.2012.02.005). Ihren Aussagen zufolge sollte das medizinische Personal bei Patienten mit Brustschmerzen eine ST-Strecken-Hebung erkennen und die richtigen Konsequenzen ziehen können.
Die im englischen Sprachgebrauch „Paramedics“ genannten Sanitäter sind in etwa mit den hierzulande eingesetzten Rettungssanitätern zu vergleichen. Sie haben aber eine längere Ausbildung absolviert und übernehmen im klinischen Alltag meist mehr Verantwortung. Oft hat dieses medizinische Personal noch weitere Zusatzausbildungen, sodass die Paramedics in den USA oder Kanada oft in Gebieten eingesetzt werden können, wo wenig ärztliches Personal vorhanden ist.
Die Autoren wollten herausfinden, ob ein neues Ausbildungsprogramm, dass besonders auf die EKG-Interpretation fokussiert, die Paramedics ausreichend vorbereitet und die Behandlung von Herzinfarktpatienten entscheidend verbessern kann. Vorausgegangen waren den Bemühungen der Wissenschaftler Studien aus dem Jahre 2005, die zeigten dass in den Krankenhäusern in Manitoba lediglich 14 Prozent der Patienten, die einen Herzinfarkt hatten, innerhalb von 90 Minuten eine medikamentöse Thrombolyse erhielten und nur bei elf Prozent eine PCI (percutaneous coronary intervention) erfolgte.
Um diese Statistik zu verbessern, entschlossen sich die Forscher, die Effektivität der Diagnostik außerhalb des Krankenhauses zu testen und damit Verbesserungsmöglichkeiten zu finden. Dazu wurden die Paramedics angeleitet, EKG`s durchzuführen und auf Auffälligkeiten hin zu untersuchen. Nachdem sie einem zuständigen Arzt das EKG mittels digitaler Kommunikationsgeräten gezeigt hatten, leiteten sie entsprechende Maßnahmen wie Thrombolyse, PCI oder eine Überwachung im Krankenhaus ein.
Über den Studienzeitraum von zwei Jahren diagnostizierten die Sanitäter in Zusammenarbeit mit den Ärzten von insgesamt 380 Notfällen 226 Herzinfarkte im Stadtzentrum von Manitoba. Von diesen Patienten erhielten 21 Prozent eine Thrombolyse und knapp 70 Prozent eine interventionelle Therapie. Dabei lagen die Zeiten vom ersten Patientenkontakt bis zum ersten Nadelstich für die Thrombolyse bei 32 Minuten beziehungsweise bis zum ersten Reperfusionserfolg bei der PCI bei 76 Minuten.
Obwohl unter den Ergebnissen der EKG-Auswertung auch einige falsch positive Ergebnisse waren, halten die Autoren ihre Studie für wegweisend und fordern die flächendeckende Umsetzung ihres Prinzips.
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