Politik

Rheinland-Pfalz wählt: Das wollen die Parteien in Gesundheit und Pflege

  • Dienstag, 17. März 2026
/Christian Schwier, stock.adobe.com
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Mainz – Bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März treten die Parteien mit teils recht unterschiedlichen Konzepten an. Die Wähler haben dabei gleich sieben Parteien auf dem Wahlzettel stehen. Neben der CDU, SPD, Grünen und Linken treten auch die AfD, die FDP und die Freien Wähler an. Was sie bei zentralen Themen in der Gesundheitspolitik planen. Ein Überblick.

SPD setzt auf vier große und viele kleine Bausteine

SPD: Die Sozialdemokraten regieren in Rheinland-Pfalz seit knapp 35 Jahren in unterschiedlichen Konstellationen. Sie stellen mit Alexander Schweitzer den amtierenden Ministerpräsidenten. Er soll es auch nach der Wahl bleiben. Erwartet wird ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem CDU-Gegenkandidaten.

Die SPD kündigt in ihrem Wahlprogramm an, die Gesundheitsversorgung ganzheitlich – von der Geburt bis ins hohe Alter, in Stadt und Land – denken zu wollen. Spitzenmedizin, Notfallversorgung, Regiokliniken und ambulante Versorgung nennt die SPD als vier Bausteine für die Gesundheitsversorgung.

„Wer eine neue Hüfte braucht oder an Krebs erkrankt, soll sich darauf verlassen können, dass die beste Behandlung in spezialisierten Zentren stattfindet. Hier bündeln wir Fachwissen und Qualität an zentralen Standorten – für die beste Versorgung“, so die SPD.

Ausbauen will die SPD die Akut- und Notfallversorgung. Geben soll es landesweit Telenotärzte, ein dichtes Netz an Rettungshubschraubern, die auch in der Nacht einsatzbereit sind und ergänzende Angebote der Digitalisierung, wie Telestroke.

Regiokliniken sollen in der Fläche nah an den Menschen die Gesundheitsversorgung sicherstellen. „Für Alltagsnotfälle, die nachts oder am Wochenende auftreten, schaffen wir die Regioklinik“, so die SPD. Diese soll ambulante und stationäre Angebote, Pflege und Beratung unter einem Dach bündeln.

Die SPD in Rheinland-Pfalz bekennt sich in ihrem Programm zur ambulanten Versorgung. Diese sei das Rückgrat des Gesundheitssystems. Ausbauen will die SPD digitale und telefonische Ersteinschätzungen, damit Patienten schneller zur richtigen Ärztin oder zum richtigen Arzt gelangen. Ziel der Partei ist „eine Termingarantie für alle, unabhängig vom Versicherungsstatus“.

In der hausarztzentrierten Versorgung will die SPD sogenannte Ansiedlungslotsen für Haus- und Fachärzte einführen und Erleichterungen bei der Gründung medizinischer Versorgungszentren in kommunaler Hand stärken. Im ländlichen Raum sollen neue Versorgungsmodelle mit interprofessionellen Teams gefördert werden.

Erhalten will die SPD wohnortnahe Apotheken. Einsetzen will sich die Partei für eine Reform der Vergütung und den Ausbau von Angeboten in den Apotheken. So sollen neben Ärzten auch die Apotheken impfen dürfen, schreibt die SPD in ihrem Programm.

Geben soll es mit der Partei einen Hebammenbonus ein, um Familien vor und nach der Geburt gut zu begleiten. Wer sich nach dem Studium erstmalig in Rheinland-Pfalz selbstständig macht, soll für die ersten fünf Jahre einen Hebammenbonus als Gründungszuschuss von 1.000 Euro pro Jahr erhalten. Den gleichen Zuschuss sollen diejenigen erhalten, die nach mehr als zweijähriger Pause, weil sie sich selbst für Kinder entschieden haben, wieder in den Beruf einsteigen.

Darüber hinaus will die SPD sich für die Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland stark machen und die Anerkennung beschleunigen. Verstärkt einführen will die Partei neue Berufsbilder in den Gesundheitsberufen, um die Ärzteschaft zu entlasten.

In der stationären Versorgung betont die Partei, dass sie zwar bereits die Investitionsmittel verdoppelt habe. Man wolle nun „die Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes“ gezielt für eine Investitionsoffensive einsetzen, um die medizinische und pflegerische Versorgung zu stärken und die Infrastruktur der Krankenhäuser zukunftsfest zu machen. Eine Rolle spielen sollen dabei auch Klimaaspekte.

Verbessern will die SPD den Datenaustausch und die Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, ambulanten Diensten und Krankenkassen. Dafür soll es eine zentrale Plattform für Gesundheit und Pflege geben.

Gefördert werden soll der Ausbau von Hospizen und Palliativdiensten. Unterstützt werden sollen das Ehrenamt in der Hospizbewegung, die ambulante Begleitung sowie die Kindertrauerarbeit. Wie schon beim Rheumaaktionsplan soll es künftig in der Schmerzmedizin und der Diabetologie entsprechende Angebote geben.

Kümmern will sich die SPD auch um die psychische Gesundheit, die Gesundheit von Frauen sowie die Pflege, Altersarmut, Einsamkeit und Altersdiskriminierung. Die Zahl der „Gemeindeschwestern Plus“, die dabei helfen sollen, Pflegebedürftigkeit möglichst lange zu vermeiden, will die Partei zum Beispiel auf mehr als 100 Vollzeitstellen verdoppeln.

„So stärken wir Prävention, bekämpfen Einsamkeit und sorgen dafür, dass ältere Menschen länger selbstständig in ihrem gewohnten Umfeld leben können“, heißt es dazu von er SPD. Ergänzend will man regional organisierte Pflegepools schaffen, die als flexible Vertretungsteams bei kurzfristigen Engpässen einspringen.

CDU nimmt wohnortnahe Versorgung in den Blick

CDU: Die Christdemokraten in Rheinland-Pfalz wollen mit Gordon Schnieder den nächsten Ministerpräsidenten stellen. In ihrem Wahlprogramm gibt die Partei ein Bekenntnis zur wohnortnahen Versorgung ab. Diese sei das „Leitprinzip“, heißt es darin. Dazu gehören für die Partei eine gezielte Förderung, eine gute Infrastruktur und verlässliche Rahmenbedingungen.

Für die stationäre Versorgung will die CDU einen „Lebende Krankenhäuser-Fonds“ mit einem Volumen von 150 Millionen Euro jährlich auflegen, um alle Kliniken zu erhalten, bis die Bundesreform greift. Versprochen wird auch eine Krankenhausplanung, die auf Qualität, Erreichbarkeit und bedarfsgerechte Planung setzt. Es gehe nicht um „Zentralisierung um jeden Preis“. Das gilt auch für die Geburtsstationen im ländlichen Raum.

In großen Landkreisen und Regionen, in denen Krankenhäuser in den vergangenen Jahren geschlossen werden mussten, kündigt die CDU an, die Kommunen beim Ausbau von sektorenübergreifenden Praxiskliniken zu unterstützen.

„Diese Zentren können in unterversorgten Regionen haus- und fachärztliche Angebote bündeln und bei Bedarf um passende Angebote erweitert werden, damit medizinische Hilfe auch außerhalb der regulären Sprechzeiten schnell erreichbar ist“, schreibt die CDU.

Apotheken sollen gezielt in die regionale Planung einbezogen werden, um die Versorgung mit Medikamenten in unmittelbarer Nähe sicherzustellen. Auch die Pflege soll dort integriert werden, wo sie benötigt wird. „Unser Ziel ist ein belastbares und flächendeckendes Netz aus wohnortnaher medizinischer Betreuung für Stadt und Land gleichermaßen, das die Menschen in Rheinland-Pfalz spürbar unterstützt.“

Einsetzen will sich die CDU auch für die verlässliche und schnelle Vergabe von Facharztterminen. Angekündigt wird ein Ausbau der Terminservicestellen sowie mehr Telemedizin und Videosprechstunden.

Um dem Fachkräftemangel entgegenzutreten will die Partei die Zahl der Studienplätze für Humanmedizin um mindestens 200 zusätzliche Vollstudienplätze auf 650 Plätze am Standort Mainz aufstocken.

„Für uns ist klar, dass wir die Ärztinnen und Ärzte von morgen hier in Rheinland-Pfalz ausbilden müssen und damit eine Ausbildung in europäischen Nachbarländern nur eine Übergangslösung sein darf. So lange werden wir Kooperationen mit Universitäten im europäischen Ausland, an denen Studentinnen und Studenten aus Deutschland Humanmedizin studieren können, fördern“, heißt es im Programm. Erhöhen will die CDU auch die Zahl der Pharmazie-Studienplätze.

Mit einem eigenen Landesprogramm „Start, Stay & Comeback“ will die CDU Mediziner in den Dienst zurückholen oder – zumindest in Teilzeit – von einer Weiterarbeit überzeugen. Zur Regel werden soll eine enge Zusammenarbeit zwischen ambulanter und stationärer Versorgung.

Bei der Rettungsdienst- und Notfallversorgung will die CDU es erreichen, dass niemand länger als zehn Minuten auf den Rettungsdienst warten muss. „Deshalb sorgen wir dafür, dass Notarztstandorte erhalten bleiben, gerade im ländlichen Raum.“ Verbessern und ausbauen will die Partei die Versorgung durch die Luftrettung.

Mehr Förderungen verspricht die CDU in der Geburtshilfe. Etabliert werden sollen Amtshebammen und ein Hebammenregister. Auf Bundesebene will sich die CDU „mit Blick auf den Hebammenhilfevertrag für Nachverhandlungen stark machen, damit Beleghebammen wieder voll vergütet werden“. Auch wolle man ein Augenmerk auf die Frauengesundheit legen.

Für psychisch Erkrankte soll es eine wohnortunabhängige Versorgung geben. „Das bedeutet einen Ausbau ambulanter und aufsuchender Angebote, verlässliche Krisendienste, Stärkung der Tageskliniken und Institutsambulanzen, bessere Vernetzung sowie Telepsychiatrie als Ergänzung. Ziel ist eine durchgängige Versorgungskette, auch im ländlichen Raum.“

Die CDU kündigt auch an, die Pflegekammer im Land neu aufzustellen. Sie soll eine transparente Interessenvertretung ohne Zwangsmitgliedschaft werden. „Pflegekräfte sollen spüren, dass ihre Mitwirkung von Vorteil ist, aber sie sollen auch frei darüber entscheiden.“ „Gesundheit und Pflege“ sollen künftig in einem Ministerium gebündelt werden.

Grüne wollen Krankenhausreform schnell umsetzen

Grüne: Die Spitzenkandidatin der Grünen ist Katrin Eder, amtierende Landesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität. Gesundheitspolitisch wollen die Grünen die von Bund und Ländern auf den Weg gebrachte Krankenhausreform „schnellstmöglich“ umsetzen. Dort, wo jetzt schon eine Versorgungslücke besteht, sollen „Regiokliniken“ entstehen, die ambulante, stationäre und pflegerische Angebote vereinen.

Zudem soll eine „gute Versorgung“ mit Haus- und Fachärzten sichergestellt werden. In Regionen mit weiten Wegen zu medizinischen Einrichtungen soll es Bürgerbusse, Hol- und Bringdienste und mobile ärztliche Praxen mit Sprechstunden vor Ort geben. Einen weiteren Beitrag zur niedrigschwelligen ambulanten Versorgung sollen Community Health Nurses leisten.

Grundsätzlich müsse gute medizinische Versorgung für alle erreichbar sein – ohne Hürden und ohne Diskriminierung. Die Grünen wollen deshalb das bereits im letzten Koalitionsvertrag vereinbarte Präventionsprojekt in Regionen mit geringer Lebenserwartung und hoher Krankheitslast praktisch umsetzen und das Konzept der Gesundheitskioske aufgreifen. Für Wohnungslose soll ein niedrigschwelliges, allgemeinmedizinisches Angebot gefördert werden. Mit Blick auf die Barrierefreiheit von bestehenden Arzt- und Therapiepraxen wollen die Grünen ein Förderprogramm initiieren.

Im Bereich der psychiatrischen oder psychotherapeutischen Behandlungen soll die insbesondere die Versorgungsstruktur für Jugendliche und junge Erwachsene verbessert werden. Zusätzlich wollen die Grünen Selbsthilfegruppen und psychosoziale Beratungsstellen finanziell besserstellen sowie für erwachsene Menschen mit psychischen und geistigen Beeinträchtigungen ein Kriseninterventionszentrum einführen.

Zur Gesundheitsplanung heißt es im Wahlprogramm, man wolle Gesundheits- oder Versorgungskonferenzen in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft einführen und regionale Modellprojekte zur sektorenübergreifenden Versorgung („Gesundheitsregionen“) anstoßen.

Pflegepolitisch wollen die Grünen die Angehörigenpflege stärken – etwa mit einem Ausbau der ambulanten Pflege, der Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflege sowie mit niedrigschwelligen Angebote wie Quartiersstützpunkten oder Nachbarschaftszentren mit stundenweiser Betreuung.

Die Linke: Entbürokratisierung und mehr Medizinstudienplätze

Linke: Die Linken sind bisher nicht im Landtag vertreten und treten mit Rebecca Ruppert, mit 37 Jahren die jüngste unter den Spitzenkandidaten, an. Laut Wahlprogramm sollen Krankenhäuser in privater Hand wieder in öffentliches Eigentum überführt und „damit der Gewinnlogik entzogen“ werden. Auch kirchliche Krankenhäuser seien kein geeigneter Ersatz für staatliche Gesundheitsinfrastruktur – unter anderem “wegen der frauenfeindlichen Politik der Kirchen“.

Zudem müsse unverzüglich durch gesetzliche Vorgaben verhindert werden, dass Krankenhäuser und Krankenhausabteilungen in der Fläche und den Städten auf Grund der wirtschaftlichen Interessen der Krankenhausträger geschlossen werden. Maßstab für die Anzahl und Lage der Krankenhäuser soll allein der Bedarf sein.

Die Linke will außerdem für eine Erhöhung der Einstiegsgehälter für Pflegefachpersonal eintreten. Auch soll es „für alle Berufsgruppen im Gesundheitswesen“ gesetzlich verankerte Personalschlüssel geben – inklusive Sanktionierungsregelungen bei Nichteinhalten gegenüber den Arbeitgebenden und Erholungsmechanismen für die Arbeitnehmenden für unterbesetzte Dienste.

Im Zusammenhang mit der Pflegekammer in Rheinland-Pfalz plädiert die Linke für eine Befragung aller Mitglieder: Die Pflegenden sollen selbst entscheiden, ob sie die Kammer wieder abschaffen wollen. Sollte die Mehrheit sich für die Pflegekammer aussprechen, so müssten die „Zwangsbeiträge“ abgeschafft werden und das Geld aus dem Staatshaushalt kommen.

Für den ambulanten Bereich fordert die Linke eine umfassende Entbürokratisierung. Zudem lehne man Budgetierungen ab. Da die Anzahl an Medizinstudierenden für den Bedarf „viel zu gering“ sei, sollen die Studienplätze für Medizin ausgebaut werden – man unterstütze die Forderung nach einer zweiten medizinischen Hochschule in Rheinland-Pfalz.

Die psychosoziale und psychiatrische Versorgung soll verbessert werden: Es seien dringend mehr Psychotherapeuten für die flächendeckende ambulante Behandlung notwendig. Die Kostenerstattung durch die Krankenkassen müsse einfacher und zuverlässiger geregelt werden. Auch weitere stationäre Behandlungsplätze wollen die Linken schaffen.

AfD will Nutzen der Digitalisierung prüfen

AfD: Die AfD geht mit ihrem Spitzenkandidaten Jan Bollinger ins Rennen. Sie will mehr als 20 Prozent der Wählerstimmen holen. Egal, wie ihr Ergebnis ausfallen wird, dürfte sie an der künftigen Regierungskoalition in Rheinland-Pfalz keine Rolle spielen. Die anderen Parteien haben Koalitionen mit der AfD ausgeschlossen.

Die AfD will die Niederlassungen fördern und die ambulante medizinische Versorgung sichern. Sie kündigt einen breiten Maßnahmenplan dafür an. Unter anderem will die Partei die Budgetierung abschaffen und Regressforderungen sowie Wirtschaftlichkeitsprüfungen von Praxen und Krankenhäusern eindämmen. „Diese Misstrauenskultur gegenüber Ärzten und Therapeuten muss in die einstige Vertrauenskultur wieder zurückgeführt werden“, heißt es im Wahlprogramm.

Vorgesehen sind demnach auch der Abbau von Bürokratie, um mehr ärztliche oder pflegerische Arbeitszeit für die Patientenversorgung zu gewinnen und unnötige Mehrfachdokumentationen zu verhindern. Bei der Digitalisierung soll geprüft werden, ob sich der Aufwand reduziert. Die Kosten sollen nicht von Praxen und Kliniken getragen werden, sondern von den Institutionen und Behörden. Stark macht sich die AfD für den Datenschutz.

In der stationären Versorgung will die AfD mehr Investitionsmittel für Krankenhäuser bereitstellen. Ein neuer Fonds soll helfen, bestehenden Sanierungsstau abzubauen. Kommunen, die Krankenhäuser der Grundversorgung aus privater Trägerschaft übernehmen, sollen Zuschüsse erhalten, um die Defizite zu senken.

Mehr Medizinstudienplätze stehen oben auf der Agenda der AfD. Es soll ein Landarztstipendium geben, bei dem sich angehende Mediziner verpflichten, eine Praxis auf dem Land zu übernehmen bzw. zu eröffnen. Diese Landarzt- und Landkinderarztquotenregelung will die Partei ausweiten. „Wir fordern eine Erweiterung auf alle Facharztgruppen, bedarfsabhängig auch auf Zahnärzte und Pharmazeuten“, heißt es im Wahlprogramm.

In der Pflege setzt sich die Partei dafür ein, die Landespflegekammer aufzulösen. Um dem Mangel an Pflegekräften entgegenzuwirken, soll es Stipendienvereinbarungen geben, wenn sich die Pflegekräfte nach ihrem Abschluss verpflichten, mehrere Jahre in Rheinland-Pfalz zu arbeiten. Ebenso will sich die AfD für den Erhalt von Geburtshilfeabteilungen und an Krankenhäusern angeschlossene Geburtshäuser einsetzen.

Darüber hinaus will die AfD unter anderem eine Abwanderung von Ärzten ins Ausland verhindern, ausländische medizinische Abschluss- und Arbeitszeugnisse genauer prüfen und die Coronakrise mit einem Untersuchungsausschuss aufarbeiten.

Freie Wähler für Grundversorgungskliniken

Freie Wähler: Die Freien Wähler ziehen mit ihrem Spitzenkandidaten Joachim Streit in den Wahlkampf. Das Wahlprogramm umfasst etwa fünf Seiten, die sich mit Gesundheit, Pflege und Medizin befassen. Wichtig ist den Freien Wählern der Ausbau der Medizinstudienplätze – vor allem für die Allgemeinmedizin. Die bestehende Landarztquote will die Partei ausweiten.

Ziel sei es, dass junge Menschen, die sich verpflichten, im ländlichen Raum zu arbeiten, bevorzugten Zugang zum Studium bekommen, heißt es von den Freien Wählern. Sie wollen das Studium auch vereinfachen. Es sollte aus Sicht der Partei weniger mit Pflichtinhalten überfrachtet sein, mehr Praxisanteile enthalten und keine unnötige Verlängerung vorsehen – damit mehr Absolventen in „realistischen Zeiten in die Patientenversorgung starten“.

Stärken will die Partei die wohnortnahen Grundversorgungskliniken – statt alles auf Großkliniken zu verlagern. „Investitionskosten müssten vollständig von Land und Bund getragen werden; die heute geltenden Fallpauschalen (DRG) sind anzupassen, damit sie realistische Kosten reflektieren und kein System der Unterdeckung fördern“, betonen die Freien Wähler in ihrem Programm.

Als „Sofortmaßnahmen zum Systemerhalt“ schlagen die Freien Wähler eine Bundesratsinitiative vor. Diese muss sich dafür einsetzen, dass die Fallpauschalen (DRG) und Mindeststandards so angepasst werden, dass kleine Kliniken im Land überleben und Ausbildungsplätze erhalten bleiben. Gleichzeitig müssten ambulante Leistungen fair vergütet und Weiterbildungsoffensiven in Mangelberufen besser bezahlt werden, schreibt die Partei.

Sie fordert weniger Dokumentationspflichten, eine Vereinfachung der Krankenkassenstrukturen und eine Überprüfung des Risikostrukturausgleichs und der Disease-Management-Programme, deren Nutzen „oft nicht belegt“ sei. Rabattverträge bei Medikamenten dürften darüber hinaus nicht dazu führen, dass Ärzte und Apotheken täglich Ersatzlösungen suchen müssten.

Um die Arztpraxen zu entlasten und Bürokratie abzubauen, drängen die Freien Wähler darauf, einen Direktzugang zu Heilmittelebringern zu ermöglichen. Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden seien „systemrelevant“. Einsetzen will sich die Partei auch für den Erhalt wohnortnaher Geburtshilfestandorte.

Wichtig ist der Partei auch, die Pflege zu stärken und alternative Wohnformen zu fördern. Die Menschen sollten möglichst lange die Chance haben, selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden zu leben, heißt es in den Programm. Pflegeeinrichtungen sollten durch eine einheitliche digitale Pflege- und Behandlungsdokumentation entlastet werden. „Bis 2030 wollen wir den Papieraufwand halbieren und eine vollständige elektronische Dokumentation etablieren.“

FDP für Entbudgetierung

FDP: Auf zehn Seiten hat die Partei ihre Vorhaben für Gesundheit und Pflege verankert. Die Liberalen gehen mit der bisherigen Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt an den Start.

Ganz im Geiste der FDP gibt die Partei in ihrem Wahlprogramm ein Bekenntnis zu Innovation, Eigenverantwortung und Chancengerechtigkeit ab. Die FDP setzt sich daher für niedrigschwellige Präventionsangebote in sozialen Brennpunkten ein. Ausgebaut werden sollen auch Programme zur psychischen Gesundheit sowie die Telemedizin. Ebenso setzt sich die FDP für eine Schulgeldfreiheit für Gesundheitsberufe ein.

„Die gezielte Förderung von Haus- und Landarztpraxen sowie die Landarztquote schaffen Anreize für medizinisches Engagement im ländlichen Raum – nicht durch Zwang, sondern durch Perspektiven und partnerschaftliche Strukturen“, schreibt die Partei in ihrem Programm.

Die FDP will im ländlichen Raum Region-Kliniken erhalten, die Alltagsnotfälle versorgen. Damit werde gewährleistet, dass planbare Eingriffe in Krankenhäusern mit entsprechender fachlicher und technischer Spezialisierung erfolgen, aber Notfälle adäquat versorgt werden, heißt es.

Lehrkrankenhäuser soll es nach Ansicht der FDP ebenso in der Fläche geben wie geriatrische Einrichtungen. Aufstocken will die Partei die Luftrettung. Die Hilfsfrist für notfallmedizinische Versorgung soll auf zehn Minuten und für notfallärztliche Versorgung auf 15 Minuten angepasst werden.

Für wichtig erachtet die FDP die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Das setzt schnelles Internet – Glasfaser, 5G und eine stabile Telematikinfrastruktur (TI) voraus. Daher will die Partei dafür sorgen, dass „alle Gesundheitseinrichtungen – von der Klinik bis zur Pflegeeinrichtung – vollständig angebunden sind.“ Datenschutz und Datensicherheit hätten dabei oberste Priorität, schreibt die Partei.

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, will sich die FDP für die Entbudgetierung hausärztlicher und grundversorgender Leistungen einsetzen. Es soll klare und verlässliche Vergütungsregeln geben. Flexibler gestaltet werden soll die Bedarfsplanung, damit Ärzte mehr Gestaltungsspielräume erhalten.

Festhalten will die FDP an bestehenden Förderprogrammen für die Niederlassung oder Zweigpraxen, aber auch der Weiterbildung. Die FDP setzt darüber hinaus auf Zuschüsse oder günstige Kredite, um Telemedizin und Digitalisierung voran zu bringen. Im Fokus aller Maßnahmen steht Praxisgründungen und Praxisübernahmen zu erleichtern.

Darüber hinaus will die FDP zum Beispiel die Frauengesundheit stärken und die Forschung dafür ausbauen. Auch soll mehr Kurzzeit- und Übergangspflegeplätze geben.

aha/may

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