Riociguat: Studienabbruch erzwingt Kontraindikation
London – Das Antihypertonikum Riociguat, das durch Stimulation der löslichen Guanylatcyclase über den Stickstoffmonoxid-Signalweg den Druck in den Lungenarterien senkt, darf künftig nicht mehr bei Patienten mit Lungenhochdruck in Zusammenhang mit interstitieller Pneumonie unbekannter Ursache (PH-IIP) eingesetzt werden. Anlass ist ein erhöhtes Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko in einer inzwischen abgebrochenen Studie.
Riociguat ist seit Mai 2014 als Adempas zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit pulmonal-arterieller Hypertonie (PAH) oder chronischer thromboembolischer pulmonaler Hypertonie (CTEPH) zugelassen. In der RISE-IIP-Studie sollte untersucht werden, ob Riociguat bei Patienten mit Lungenhochdruck in Zusammenhang mit interstitieller Pneumonie unbekannter Ursache (PH-IIP), einer bisher nicht-zugelassenen Indikation, die 6-Minuten-Gehstrecke verlängert. An der Studie nahmen an 94 Zentren weltweit 145 Patienten teil (PH-IIP ist eine seltene Erkrankung).
Doch Anfang Mai dieses Jahres wurde die Studie vom Datenkontrollkomitee abgebrochen: Eine Zwischenauswertung hatte laut EMA ergeben, dass im Riociguat-Arm 17 Patienten gestorben waren, gegenüber 4 Patienten im Placebo-Arm. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse – überwiegend Atemwegserkrankungen oder Infektionen der Lunge – waren unter der Behandlung mit Riociguat ebenfalls häufiger aufgetreten. Die vorläufigen Daten zeigen nach Einschätzung der EMA, dass die Behandlung mit Riociguat bei Patienten mit PH-IIP keinen klinisch signifikanten Nutzen erzielt.
Riociguat sollte deshalb bei allen Patienten mit PH-IIP, die den Wirkstoff eventuell auch außerhalb der klinischen Studien „off label“ erhalten haben, sofort abgesetzt werden. Die EMA kündigte die Aufnahme einer entsprechenden Kontraindikation in die Fachinformation an. Einschränkungen bei den zugelassenen Indikationen soll es nicht geben.
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