Ärzteschaft

Anästhesisten sehen Fortschritte bei der Laienreanimation

  • Donnerstag, 1. März 2018
/Mongkolchon, stock.adobe.com
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Nürnberg – Fortschritte bei der Ersthilfe nach einem Herzstillstand sehen die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) und der Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA). Laut den beiden Verbänden sind immer mehr Menschen in Deutschland in der Lage, bei Personen mit Herzstillstand eine Herzdruckmassage auszuführen.

„Damit holt Deutschland international immer weiter auf“, sagte Jan-Thorsten Gräsner, Koordinator des Deutschen Reanimationsregisters und selbst Notarzt. Verschiedene Ansätze und Projekte hätten in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, dass die Bevölkerung immer besser über die Bedeutung einer direkt gestarteten Herzdruckmassage informiert sei. Zum Beispiel lernten inzwischen Tausende Schüler in Deutschland im Unterricht, dass bei einem Bewusstlosen ohne Lebenszeichen schnell Hilfe zu rufen und dann der Brustkorb mit beiden Händen 100-mal pro Minute niederzudrücken sei. Außerdem hätten Initiativen wie „Ein Leben retten“ und die „Woche der Wiederbelebung“ der anästhesiologischen Fachgesellschaften in Deutschland zur weiten Verbreitung des lebenswichtigen Wissens beigetragen.

Im Augenblick gehen DGAI und BDA von einer Hilfsquote von rund 40 Prozent bei der Herzdruckmassage aus. Das Ziel sei eine Hilfsquote von 50 Prozent, sagte Gräsner. Bis 2020 könnten dann in Deutschland im Vergleich zu 2013 pro Jahr 10.000 Menschenleben mehr gerettet werden. „Die Herzdruckmassage ist in den letzten Jahren sehr vereinfacht worden und kann von jedem ganz leicht angewendet werden“, betonte der Reanimationsexperte. 

Diese positive Einschätzung der Entwicklung bei der Laienreanimation teilen jedoch nicht alle Untersuchungen. So ergab eine Onlinebefragung des Instituts Toluna im Auftrag der Asklepios-Kliniken im Spätsommer 2017, dass nur jeder fünfte Deutsche sich zutraut, überlebensnotwendige Maßnahmen bei Unfallopfern zu beginnen: 22 Prozent würden danach einen Verletzten bei Atemstillstand beatmen, 21 Prozent eine starke Blutung stillen und 19 Prozent eine Herzdruckmassage machen. Die Unsicherheit zeigt sich laut der Umfrage auch im Umgang mit den an vielen Orten verfügbaren Defibrillatoren. Nur etwa die Hälfte der Befragten würde sich zutrauen, dieses Gerät zur Überwindung eines Herzstillstandes einzusetzen, ergab die Umfrage.

Dabei zeigt eine aktuelle Studie, dass die Nutzung dieser Geräte die Überlebenschancen von Patienten mit einem plötzlichen Herzstillstand verdoppelt. Dies geht aus einer in der Fachzeitschrift Circulation (2018; doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.117.030700) publizierten Auswertung hervor. 

hil

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