Ärzteschaft

Fehlinformationen zu FSME-Risikogebieten in der Ärzteschaft

  • Dienstag, 25. Februar 2025
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Stuttgart – Über die FSME-Risikokarten gibt es viele Missverständnisse in der Ärzteschaft. Das sagte Gerhard Dobler, Leiter des Nationalen Konsiliarlabors für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr, heute bei einer Pressekonferenz der Universität Hohenheim. Er kritisierte, in Nichtrisikogebieten würde trotz entsprechender Symptome teilweise nicht auf FSME getestet.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) gehören vor allem Bundesländer in Süd- und Westdeutschland zu den Risikogebieten für eine FSME-Infektion. Definiert ist dies über die Inzidenz, die in einem 5-Jahreszeitraum höher liegen muss als eine Erkrankung pro 100.000 Einwohner.

Der Begriff Risikogebiet sei jedoch irreführend, da Menschen inklusive Teile der Ärzteschaft annähmen, es komme in den Nichtrisikogebieten auch nicht zu FMSE-Infektionen, so Dobler. Der Experte warnt, dass es in ganz Deutschland mittlerweile möglich sei, sich mit dem Virus zu infizieren. „Ich bevorzuge daher den Begriff Risikogebiet und Gebiete mit erhöhtem Risiko.“ Dies würde vieles auch in der Ärzteschaft klarer machen.

Klimawandelbedingte Verschiebung der Infektionen

Seit mehreren Jahren warnt die Universität Hohenheim vor steigenden FSME-Fallzahlen aufgrund des Klimawandels. Mittlerweile gibt es demnach in jedem zweiten Jahr hohe Fallzahlen, anstelle von hohen Infektionszahlen in nur jedem dritten Jahr – und das mit steigender Tendenz.

Hinzu kommt eine örtliche Verschiebung. „Es gibt eine Verschiebung von Ost nach West“, sagte Ute Mackenstedt, Leiterin des Fachgebiets Parasitologie der Universität Hohenheim. „Auch in Frankreich, den Niederlanden, England und Dänemark wurden bereits FSME-positive Zecken und menschliche Erkrankungsfälle nachgewiesen.“

Aktuell treten jedoch weiterhin 80 Prozent der Fälle hierzulande in Süddeutschland auf. „Das bedeutet aber nicht, dass es in Norddeutschland weniger Zecken gibt“, klärt die Expertin über einen weiteren Irrglauben auf.

Seit 2017 stiegen die Fallzahlen kontinuierlich an. Eine Prognose für das Jahr 2025 geben die Experten aktuell jedoch noch nicht ab. Doch bereits jetzt zu Jahresbeginn seien dem RKI schon Fälle gemeldet worden, berichtete Mackenstedt.

Zwar könne man nicht mit Sicherheit sagen, ob sich die Patienten auch erst in diesem Jahr infiziert hätten, doch sei aufgrund der milden Winter prinzipiell ganzjährig eine Infektion mit FSME möglich.

Im vergangenen Jahr wurden dem RKI 686 FSME-Fälle gemeldet – laut Universität Hohenheim die zweithöchste Zahl seit der Meldepflicht. Die meisten Infektionen hatte es 2020 mit 718 Fällen gegeben.

Der Mikrobiologe Dobler geht von einer hohen Dunkelziffer subklinischer oder grippeähnlich verlaufender Infektionen aus. Dem Experten zufolge würden nur fünf bis zehn Prozent der Infektionen mit FSME erkannt und entsprechend gemeldet.

Der Großteil der Infektionen (laut RKI 99 Prozent) tritt bei Ungeimpften auf. Dobler spricht sich daher für eine Impfempfehlung für ganz Deutschland aus. Aktuell ist diese auf die ausgewiesenen Risikogebiete beschränkt.

mim

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