Ärzteschaft

Neue S3-Leitlinie zu Speicheldrüsentumoren des Kopfes vorgelegt

  • Donnerstag, 7. August 2025
/Kawamoto Maru, stock.adobe.com
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Berlin – Zur Diagnostik und Therapie von Speicheldrüsentumoren des Kopfes gibt es erstmals eine S3-Leitlinie aus dem Leitlinienprogramm Onkologie. Sie umfasst Informationen von der Diagnostik über die chirurgische Therapie bis hin zur molekularen Klassifizierung.

Die neue S3-Leitlinie biete erstmals umfassende, wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen für Ärztinnen und Ärzte, um eine präzisere Diagnostik, optimierte Therapieentscheidungen und eine interdisziplinäre Versorgung zu gewährleisten, hieß es in einer Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNOKHC), der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG) und der Deutschen Krebsgesellschaft.

„Nach beinahe 20 Jahren, in der nur eine S1-Leitlinie vorlag, war eine Aktualisierung dringend erforderlich, um die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Speicheldrüsentumoren des Kopfes auf den neuesten wissenschaftlichen Stand zu bringen“, sagte Orlando Guntinas-Lichius vom Universitätsklinikum Jena.

Gemeinsam mit Max Heiland, DGMKG-Vorstandsmitglied, von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und Benedicta Beck-Broichsitter vom Klinikum Stuttgart hat er die Erstellung der Leitlinie koordiniert.

„Besonders an der Leitlinie ist, dass wir sowohl gutartige als auch bösartige Tumoren thematisieren“, erklärte Heiland. Im klinischen Bild verhielten sich viele der bösartigen Tumoren sehr lange so wie gutartige. Zusätzlich sei die zuverlässige Abgrenzung durch einen Schnellschnitt während der Operation noch nicht möglich.

Durch den Fokus auf Diagnostik und Therapie von gut- und bösartigen Tumoren trägt die Leitlinie aus Sicht der Fachgesellschaften dazu bei, bösartige Tumoren frühzeitig zu erkennen und die Übertherapien von gutartigen Tumoren zu vermeiden.

Die aktuelle Empfehlung für die kurative Therapie ist die operative Entfernung des Tumors. Abhängig vom Tumorstadium schließt sich häufig eine adjuvante Radio- oder Radiochemotherapie an. Eine alleinige Chemotherapie wird in der Leitlinie nur in der palliativen Situation empfohlen. Bei metastasierten Karzinomen soll eine molekulare Charakterisierung erfolgen, damit auf dieser Basis zielgerichtete Therapiekonzepte erarbeitet werden können.

„Aktuell finden Antikörpertherapien von bösartigen Speicheldrüsentumoren nur im Rahmen klinischer Studien statt“, sagte Guntinas-Lichius. „Für die Tumorklassifikation gewinnt die Molekularpathologie jedoch immer mehr an Bedeutung. Durch das hierbei gewonnene Wissen haben wir zukünftig hoffentlich mehr Optionen, die Erkrankung zielgerichtet durch den Einsatz von Antikörpern zu behandeln.“

Speicheldrüsentumoren sind nach Aussagen der Fachgesellschaften eine komplexe und vielfältige Erkrankungsgruppe. Laut epidemiologischen Studien liegt die Inzidenz aller Speicheldrüsentumoren bei sechs bis acht Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohnern im Jahr. Damit sind diese Tumoren keine seltene Entität. Bis zu 20 Prozent davon stellen sich in der pathohistologischen Begutachtung als bösartig heraus.

Die S3-Leitlinie entstand unter Federführung der DGHNOKHC, der DGMKG sowie unter Mitwirkung von 14 weiteren Fachgesellschaften und Organisationen. Finanziert wurde die Leitlinie von der Deutschen Krebshilfe im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie.

EB

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