Ärzteschaft

Prostatakarzinom: Tastuntersuchung in S3-Leitlinie nicht mehr ausdrücklich empfohlen

  • Mittwoch, 2. Juli 2025
/utah51, stock.adobe.com
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Berlin – Im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie ist eine aktualisierte S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom erschienen. Die Tastuntersuchung der Prostata (digital-rektale Untersuchung, DRU) wird zur Früherkennung ausdrücklich nicht mehr empfohlen, bleibt aber fester Bestandteil der individuellen Risikoabschätzung und urologischen Diagnostik.

Stattdessen soll nach Empfehlung der Leitlinie Männern ab 45 Jahren – nach ärztlicher Beratung – ein PSA-basiertes Screening angeboten werden, bei dem der Wert des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) bestimmt wird. Das weitere Vorgehen soll dann in Abhängigkeit von der Höhe des PSA-Wertes erfolgen.

Liegt der Wert <1,5 ng/ml, besteht ein geringes Risiko und die folgenden Bestimmungen können im Abstand von fünf Jahren erfolgen. Beträgt der PSA-Wert zwischen 1,5 und 2,99 ng/ml, wird von einem intermediären Risiko ausgegangen und die weiteren Untersuchungen sollen im Abstand von zwei Jahren erfolgen. Bei einem PSA-Wert ≥3 ng/ml soll der Wert laut der Leitlinie in einer weiteren Messung innerhalb von drei Monaten überprüft werden. 

„Studien zeigen, dass die Tastuntersuchung dem PSA-Test deutlich unterlegen ist. Sie führt sowohl zu zu vielen falsch-negativen als auch zu vielen falsch positiven Befunden, deren weitere Abklärung mit Risiken verbunden ist. Die neue Empfehlung gegen die DRU und für die neue PSA-basierte Strategie ist ein Beispiel für evidenzbasierte, risikoadaptierte Früherkennung“, betonte der Koordinator und Sprecher der Leitliniengruppe, Marc-Oliver Grimm vom Universitätsklinikum Jena.

Im Rahmen der gesetzlichen Krebsfrüherkennung übernehmen Krankenkassen für Männer ab 45 Jahren im Augenblick eine jährliche DRU. „Wir hoffen, dass der Gemeinsame Bundesausschuss auf Basis der Empfehlungen die Regelungen zur gesetzlichen Früherkennung prüft und entsprechend anpasst“, sagte Grimm. Im Augenblick ist die in der Leitlinie dargestellte Präventionsstrategie nicht Teil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenversicherung.

Aktualisierte Diagnostikempfehlungen der neuen Leitlinie betreffen außerdem bildgestützte Biopsien, die Diagnostik bei familiärer/genetischer Belastung und die Stadieneinteilung auf Basis moderner Bildgebung. Die Leitliniengruppe hat die Magnetresonanztomografie (MRT) der Prostata in der Primärdiagnostik gestärkt, differenziert nach Risiko und diagnostischer Konsequenz. 

Änderungen gibt es auch bei der Therapie: Eine zentrale Neuerung betrifft die Behandlung lokal begrenzter Niedrigrisikotumoren, die häufig keiner Behandlung bedürfen: Hier wird ausschließlich die aktive Überwachung empfohlen, nicht mehr die primäre lokale Therapie durch Operation oder Bestrahlung. Auch für sogenannte günstige-intermediäre Tumoren hat diese Strategie an Bedeutung gewonnen.

„Therapien des Prostatakarzinoms sind oft mit Nebenwirkungen und Einschränkungen der Lebensqualität verbunden. Mit der aktiven Überwachung vermeiden wir Überbehandlungen und behalten gleichzeitig den Patienten im Blick, um Handeln zu können, sobald es nötig ist“, sagte Grimm.

hil

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