Gesundheitsziele: Fortschritte bei HIV, Rückschläge bei Hepatitis und STI

Genf – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezweifelt, dass es bis zum Jahr 2030 gelingen wird, HIV, Virushepatitis und sexuell übertragbare Infektionen (STI) als Bedrohung für die öffentliche Gesundheit zu beenden. Das geht aus einem neuen Report der WHO hervor.
„Dieser Bericht erzählt zwei Geschichten. Er zeigt, was möglich ist, wenn Länder in Gesundheit, Gemeinschaften und Wissenschaft investieren“, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der WHO.
Er verdeutliche aber auch, wie schnell Fortschritte durch Finanzierungsengpässe, humanitäre Notlagen und anhaltende Ungleichheiten zunichte gemacht werden könnten.
„In den nächsten fünf Jahren müssen wir integrierte, widerstandsfähige Gesundheitssysteme aufbauen, die auch die am stärksten benachteiligten Menschen erreichen“, forderte er.
HIV
Einen Fortschritt sieht die WHO im Bereich HIV: Im Jahr 2025 infizierten sich weltweit schätzungsweise 1,2 Millionen Menschen neu mit HIV – ein Rückgang um 42 Prozent gegenüber 2010. Auch die Zahl der HIV-bedingten Todesfälle sank auf rund 570.000 und damit um 57 Prozent gegenüber 2010. Grundlage dieser Entwicklung ist laut dem Report vor allem der weltweite Ausbau der antiretroviralen Therapie.
Ende 2025 erhielten rund 32 Millionen Menschen eine solche Behandlung. Dennoch waren weiterhin etwa neun Millionen HIV-Infizierte nicht in Behandlung. Nach Angaben der WHO kennen inzwischen 88 Prozent der Menschen mit HIV ihren Status.
Von ihnen erhalten 89 Prozent eine Therapie und 95 Prozent der Behandelten erreichen eine Virusunterdrückung. Um die Gesundheitsziele für 2030 zu erreichen, seien jedoch weitere Anstrengungen nötig – insbesondere beim Ausbau der Prävention und bei der Versorgung besonders betroffener Bevölkerungsgruppen.
Die WHO hat dazu Leitlinien zur HIV-Versorgung veröffentlicht, in denen die neuesten evidenzbasierten Empfehlungen zusammengefasst sind, um Ländern bei der Organisation von HIV-Prävention, -Tests, -Behandlung und Langzeitversorgung zu helfen.
Die WHO hat außerdem Leitlinien zur HIV-Überwachung veröffentlicht, die darauf abzielen, die routinemäßigen HIV-Überwachungssysteme zu verbessern und die Nutzung nationaler Gesundheitsdaten für Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit zu optimieren.
Virushepatitiden
Weniger positiv fällt die Bilanz bei der Virushepatitis aus. Trotz wirksamer Impfstoffe gegen Hepatitis B und verfügbarer antiviraler Therapien für Hepatitis B und C steigt die Zahl der hepatitisbedingten Todesfälle laut dem Report weltweit weiter an.
Für 2024 schätzt die WHO 1,3 Millionen Todesfälle infolge chronischer Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Infektionen. Während die Zahl der Hepatitis-C-bedingten Todesfälle seit 2015 zurückging, nahm die Mortalität durch Hepatitis B zu.
Als wesentliche Ursache nennt der Bericht Defizite bei Diagnose und Behandlung. Ende 2024 waren danach lediglich 27 Prozent der Menschen mit chronischer Hepatitis B und 36 Prozent der Menschen mit Hepatitis C diagnostiziert. Die Behandlungsraten lagen bei 4,3 beziehungsweise 20 Prozent.
Sexuell übertragbare Erkrankungen
Die Fortschritte bei der weltweiten Bekämpfung von STI sind laut dem Report uneinheitlich. Verfügbare Daten deuteten auf steigende Fallzahlen bei Syphilis und Gonorrhö hin. Gleichzeitig bereite die zunehmende Antibiotikaresistenz von Neisseria gonorrhoeae Sorge.
Fortschritte verzeichnet der Bericht bei der Syphilis-Screeningrate in der Schwangerschaft sowie bei der Behandlung infizierter Schwangerer. Die HPV-Impfquote bleibt dagegen deutlich hinter den Zielen zurück: 2024 waren weltweit lediglich 18 Prozent der Mädchen bis zum Alter von 15 Jahren vollständig gegen HPV geimpft.
Veränderte politische und finanzielle Rahmenbedingungen sind laut der WHO eine zentrale Herausforderung der Jahre bis 2030. Internationale Gebermittel seien deutlich zurückgegangen. Gleichzeitig gewinne die nationale Gesundheitsfinanzierung an Bedeutung. Die WHO sieht darin neben Risiken auch die Chance, HIV-, Hepatitis- und STI-Angebote stärker regional zu verankern.
Die globalen Strategien für den Gesundheitssektor zu HIV, Virushepatitis und STI 2022-2030 wurden 2022 von der Weltgesundheitsversammlung verabschiedet.
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