Gesundheit

Blutdruckeinstellung in der Klinik häufig zu viel des Guten

  • Donnerstag, 19. September 2019

Viele Internisten nehmen den stationären Aufenthalt von älteren Hypertonikern zum Anlass, den Blutdruck besser einzustellen. Sie könnten dabei mehr Schaden als Nutzen anrichten.

Die Praxis, die antihypertensive Medikation anlässlich einer Krankenhausbehandlung zu intensivieren, ist offenbar weit verbreitet. In einer Analyse von US-Veteranen mit arterieller Hypertonie, die wegen nicht kardialer Erkrankungen stationär behandelt wurden, nahmen die Klinikärzte bei jedem Siebten im Entlassungsbrief eine Änderung der Hochdruckmedika­mente vor.

Die Folge war, dass diese Patienten in den ersten 30 Tagen nach der Entlassung zu 23 Prozent häufiger als andere erneut stationär aufgenommen wurden (Hazard Ratio 1,23; Number needed to harm NNH 27). Es kam auch häufiger zu Notfallaufnahmen (HR 1,41; NNH 63). Darunter waren akute Nierenschäden, Stürze, Elektrolytstörungen und Synkopen, die sich plausibel auf eine Übertherapie der Hypertonie zurückführen lassen.

Die Erklärung ist einfach. Während eines Krankenhausaufenthaltes kommt es stressbedingt zu einem Anstieg des Blutdrucks, den die Internisten leicht als eine nicht ausreichend eingestellte Hypertonie fehldeuten können. Nach der Entlassung normalisiert sich der Blutdruck. Aufgrund der intensivierten Medikation kommt es zu einer Hypotonie, die die Nieren schädigt und das Sturzrisiko erhöht.

Klinikinternisten sind deshalb gut beraten, auf die Kompetenz ihrer niedergelassenen Kollegen zu vertrauen, die richtige Blutdruckmedikation für ihre Patienten zu finden. Ein Vorteil für die intensivierte Blutdrucksenkung auf das Herz-Kreislauf-Risiko war übrigens in der Studie nicht erkennbar.

Nach einem Jahr gab es keine signifikanten Unterschiede in der Zahl der Herz-Kreislauf-Ereignisse. Auch die systolischen Blutdruckwerte waren in beiden Gruppen gleich.

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