Herzinsuffizienz: Optimale Therapie kann Leben um bis zu 8 Jahre verlängern
Die Linksherzinsuffizienz, auch HFrEF-Typ genannt („heart failure with reduced ejection fraction“), hat eine schlechtere Prognose als die meisten Krebserkrankungen. Heilbar ist die Pumpschwäche des Herzens nicht, aber eine optimale medikamentöse Behandlung kann die Lebenszeit vieler Patienten verlängern.
In den letzten 3 Jahrzehnten wurden große Fortschritte gemacht. 3 Wirkstoffklassen haben in Studien die Sterblichkeit von Patienten mit HFrEF signifikant gesenkt. Dies waren der Aldosteronantagonist Eplerenon in der EMPHASIS-HF Studie, der Neprilysin-Inhibitor Sacubitril (in Kombination mit Valsartan) in der PARADIGM-HF-Studie und zuletzt der SGLT2-Inhibitor Dapagliflozin in der DAPA-HF-Studie. Alle 3 Wirkstoffe haben einen unterschiedlichen Angriffspunkt und können deshalb häufig gemeinsam eingesetzt werden.
Ein Team um Muthiah Vaduganathan vom Brigham and Women's Hospital in Boston hat die additive Wirkung der 3 Medikamente jetzt anhand der Daten berechnet. Ergebnis: Eine optimale Behandlung senkt die kardiovaskuläre Sterblichkeit um die Hälfte (Hazard Ratio 0,50). Der Endpunkt aus kardiovaskulärer Sterblichkeit und Hospitalisierung wurde sogar um 2/3 reduziert (Hazard Ratio 0,38)
Konkret bedeutet dies, dass ein 80-jähriger Patient mit HFrEF durch die optimale medikamentöse Therapie 2,7 zusätzliche Lebensjahre ohne Hospitalisierung wegen eines Herzversagens gewinnt. Die Lebenserwartung würde im Durchschnitt 1,4 Jahre steigen. Ein 55-Jähriger mit HFrEF könnte sogar 8,3 Jahre ohne schweres Herzversagen und 6,3 Lebensjahre insgesamt gewinnen.
Das ist vermutlich mehr als die meisten Ärzte erwarten und laut Studienleiter Scott Solomon vom Brigham and Women's Hospital gibt es immer noch eine gewisse Zurückhaltung, die neue Therapie einzusetzen.
Eine Zurückhaltung besteht auch hinsichtlich einer aggressiven Blutdruckkontrolle im Alter. Die SPRINT-Studie hatte ergeben, dass ein systolisches Blutdruckziel von unter 120 mm Hg bei über 50-jährigen Hypertonikern (ohne Diabetes) die Sterblichkeit um 27 % senkt (Hazard Ratio 0,73).
Nach einer weiteren Berechnung von Vaduganathan und Mitarbeitern bedeutet dies für einen Menschen, der mit 50 Jahren mit blutdrucksenkenden Medikamenten beginnt, eine zusätzliche Lebenserwartung von 2,9 Jahren. Ein 65-Jähriger könnte 1,1 Jahre und selbst ein 80-Jähriger noch neun Monate gewinnen, wenn der Blutdruck nach den Zielen der SPRINT-Studie eingestellt wird.
Diskutieren Sie mit
Werden Sie Teil der Community des Deutschen Ärzteblattes und tauschen Sie sich mit unseren Autoren und anderen Lesern aus. Unser Kommentarbereich ist ausschließlich Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.
Anmelden und Kommentar schreiben
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien. Der Kommentarbereich wird von uns moderiert.
Diskutieren Sie mit: